Jetzt kommt er wirklich: AMDs ARM-Opteron A1100

Nach mehrfachen Verzögerungen liefert AMD die "Seattle"-Chips mit vier oder acht Cortex-A57-Kernen für Microserver, Storage- und Netzwerksysteme nun endlich aus, und zwar zu vergleichsweise niedrigen Preisen.

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Der AMD Opteron A1100 auf dem kommenden HuskyBoard.

(Bild: ARM)

Von
  • Christof Windeck

Schon vor rund zwei Jahren sollten Entwicklersysteme mit dem ARM-Opteron A1100 "bald" kommen, doch dann passierte lange nichts. Nun endlich meldet AMD die Serienfertigung der Systems-on-Chip (SoCs) mit vier oder acht Cortex-A57-Kernen, die 64-Bit-Code ausführen können. Sie sollen in dicht gepackten Servern, in Storage-Systemen und Netzwerkgeräten wie Switches zum Einsatz kommen, also für Microserver, Software-defined Storage (SdN) oder Software-defined Networking (SdN).

Voraussetzung ist jedoch, dass AMD Entwickler und Hersteller solcher Geräte überzeugen kann: Die Opteron-A1100-SoCs sind nicht für Wechselfassungen gedacht, sondern zum Auflöten. Bisher gibt es bloß das bereits angekündigte Entwicklersystem SoftIron Overdrive 3000 zu kaufen – zu ungenanntem Preis. Zum Vergleich: Von Gigabyte kann man das System R120-P30 mit dem konkurrierenden APM X-Gene für 1820 Euro kaufen. Der X-Gene besitzt ebenfalls acht Cortex-A57-Kerne, die aber höher takten.

Das eigentlich für Ende 2015 avisierte Mini-Mainboard "HuskyBoard" vom BeagleBone-Entwickler CircuitCo ist noch nicht erhältlich. Es soll aber "nicht teuer" werden und ist mit dem billigsten und sparsamsten Quad-Core-Opteron A1120 bestückt. Angeblich wird es das erste Mainboard im Format 96Boards Enterprise Edition (96Boards EE), welches die Linaro-Community spezifiziert hat.

Blockschaltbild AMD Opteron A1100

(Bild: AMD)

Die unter dem Codenamen Seattle entwickelte Opteron-A1100-Familie umfasst drei Mitglieder. Alle steuern zwei Speicherkanäle für je zwei ECC-Speichermodule an. Je nach Auslegung des Boards kann DDR3- oder DDR4-RAM zum Einsatz kommen, mit letzterem sind bis zu 128 GByte Hauptspeicher möglich.

Die Rechenleistung dürfte recht bescheiden ausfallen, Benchmark-Ergebnisse wollte AMD nicht veröffentlichen. Die Seattle-SoCs zielen laut AMD eher auf Appliances, das sind auf bestimmte Einsatzbereiche optimierte Systeme. Auf Nachfrage konnte AMD aber keine konkreten benennen, es seien allerdings mehrere in der Entwicklung. Die Preise der Seattle-Chips sollen vergleichsweise günstig sein, der teuerste soll rund 150 US-Dollar kosten. Zum Vergleich: Dafür bekommt man bei Intel nur eine deutlich schlechter ausgestattete Pentium-Version des Xeon D-1500.

Angesichts der Preise ist die Ausstattung sehr gut: Ein Seattle-SoC enthält bereits einen Controller für zwei 10-GBit/s-Ethernet-Ports (10GbE). Außerdem lassen sich bis zu vierzehn SATA-6G-Ports herausführen und acht PCIe-3.0-Lanes. Das sind attraktive Eigenschaften beispielsweise für NAS-Systeme der 1000-Euro-Klasse. Allerdings hat auch die Amazon-Tocher Annapurna Labs ähnliche "Alpine"-SoCs im Angebot, jene mit Cortex-A15-Kernen (32 Bit) setzen etwa Qnap und Synology bereits ein.

Wann verbesserte Nachfolger auf den Markt kommen sollen, wollte AMD-Manager Dan Bounds nicht einmal andeuten. Die AMD-Roadmap für solche ARM-SoCs hat laut Bound längere Kadenzen als die für x86-Typen. Im Mai 2015 hatte AMD allerdings Server-SoCs mit der selbst entwickelten, ARM-kompatiblen K12-Mikroarchitektur für 2017 angekündigt. Zuvor sollen noch leistungsfähige x86-Opterons mit Zen-Technik erscheinen.

AMD Opteron A1100 (Seattle): Varianten
Typ A57-Kerne Takt TDP OPN Preis
Opteron A1170 8 2,0 GHz 32 Watt OA1170AQD8NAD 150 US-$
Opteron A1150 8 1,7 GHz 32 Watt OA1150AQD8NAD k.A.
Opteron A1120 4 1,7 GHz 25 Watt OA1120ARD4NAD k.A.

(ciw)