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Jolla: Viele Entlassungen und unsichere Zukunft des Tablets

Jolla hat finanzielle Schwierigkeiten. Die Hälfte der Belegschaft sei entlassen worden, berichten finnische Medien. Auch ist nicht sichergestellt, dass die per Crowdfunding finanzierten Tablets ausgeliefert werden.

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Jolla-Tablet

(Bild: Jolla)

Jolla ist derzeit in Zahlungsschwierigkeiten. Dies bestätigte Unternehmenssprecher Juhani Lassila gegenüber heise online. Grund dafür seien Verzögerungen in einer laufenden Finanzierungsrunde. Finnische Medien hatten von zwischenzeitlich offenen Rechnungen in Höhe von 10.000 Euro berichtet. Die Hälfte der hundertköpfigen Belegschaft sei entlassen worden. Jolla-Mitarbeiter sprachen beim "Sailfish OS collaboration meeting" im IRC von temporären Entlassungen. Er hoffe, sein Unternehmen komme im Dezember wieder auf die Füße, erklärte Noch-CTO Carten Munk.

Auch das per Crowdfunding finanzierte Jolla-Tablet ist von der angespannten Lage betroffen. Zu heise online sagte der Unternehmenssprecher: "Es ist unser Ziel, das Tablet auszuliefern und eine Lösung zu finden, um dies abzusichern." Aber genaueres könne er im Moment nicht sagen. Jolla-Vorstandsvorsitzender Antti Saarnio hat auf Twitter dazu einen Blog-Post versprochen. Jolla hatte das Tablet ursprünglich für den Sommer angekündigt, musste die Auslieferung immer wieder verschieben. Lediglich eine kleine Gruppe hat bisher ihr Exemplar erhalten.

Für Verunsicherung in der Jolla-Community hatte Anfang der Woche bereits ein Tweet von Chefentwickler Carsten Munk gesorgt, in dem er seine Dienste anbot. Munk erklärte später, er sei Jolla weiter verbunden, wolle sich aber anderen Projekten widmen, solange ihm dies noch möglich sei. Er ist derzeit mit Harri Hakulinen CTO von Jolla und Entwickler der libhybris. Mit dieser Bibliothek wurde es erst möglich, für Android geschriebene Software und Treiber auch unter einem herkömmlichen Linux mit der GNU C-Bibliothek zu nutzen. Dadurch konnte Jolla die Android-Treiber nutzen, ohne auf eine Portierung der Chiphersteller angewiesen zu sein. Munks Abgang ging der des Mitgründers Marc Dillon voraus, der Jolla im September verlassen hatte.

Jolla wurde 2011 von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründet, um die Arbeit am eingestellten Betriebssystem Meego fortzuführen. Jolla veröffentlichte 2013 ein Smartphone mit dem eigenen Betriebssystem Sailfish OS, das auf dem Open-Source-Projekt Mer aufsetzt. Seit September kann mit der Version 2.0 Sailfish auch auf einem Tablet eingesetzt werden. Ob die von Jolla entwickelten Bestandteile – zum Beispiel die grafische Oberfläche – noch als Open Source freigegeben werden, wie ursprünglich in Aussicht gestellt, ist derzeit unklar. (Keywan Tonekaboni) / (mho)

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