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Jollas Smartphone-System Sailfish OS: Update verbessert UI und Speichernutzung

Jolla ist als Startup von ehemaligen Nokia-Entwicklern gegründet worden. Diese führen mit Sailfish die Arbeit fort, die sie mit MeeGo vor Nokias Wechsel auf Windows Phone begonnen hatten. Die neue Version verbessert Speichernutzung, Bedienung und Maps.

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Jollas Smartphone-System Sailfish OS: Update verbessert UI und Speichernutzung

Jolla hat kurz vor Weihnachten das lang erwartete Update 10 für sein Smartphone-Betriebsystem Sailfish OS veröffentlicht. Darin nimmt sich das finnische Smartphone-Startup vor allem der Speichernutzung in Sailfish OS an. Außerdem wurde das Aussehen der Oberfläche leicht angepasst, was intuitiver sein soll. Jollas eigene Maps-Anwendung zeigt nun auch Satelliten-Bilder und weitere Kartendarstellungen an, sonst finden sich neue Features vor allem in kleinen Details.

Sailfish OS Update 10 (8 Bilder)

Sailfish OS Update 10

Die Maps-App von Jolla zeigt jetzt auch Satellitenbilder an.

Bereits Ende Oktober gab es ein Update für Sailfish OS, das sich der Speicherverwaltung widmete. Allerdings lief die Version 1.1.0.38 (Uitukka) nicht stabil, weshalb Jolla sie nur optional und mit ausdrücklicher Warnung bereitstellte. Wer es installieren wollte, musste seinen Jolla-Account per Mail in eine Opt-In-Liste eintragen lassen.

Mit dem neuerlichen Update soll Sailfish OS nun besser mit vollem Arbeitspeicher zurechtkommen. Insbesondere die in einer Laufzeitumgebung startenden Android-Apps sollen davon profitieren – sie werden nun nach Nutzung priorisiert. Außerdem wurde der Speicherbedarf von minimierten Apps, dem Browser und dem Mail-Client verringert. Darüber hinaus kommuniziert die Android-Laufzeitumgebung nach dem Update über ein neues Wayland-Protokoll mit Grafik-Kompositor, was die Performance der Android-Apps unter Sailfish verbessern soll.

Die Gesten-basierte Oberfläche hat Jolla im Detail angepasst, um die Bedienung zu vereinfachen. In Dialogen werden Schaltflächen (z.B "Übernehmem" oder "Abbrechen") jetzt am oberen Rand im Titel angezeigt. Eine Berührung auf die Schaltfläche oder ein Wisch in die entsprechende Richtung initiiert die Aktion. Auch die Punkt-Symbole für mögliche Gesten hat Jolla optisch leicht verändert (siehe Bilderstrecke).

Die größte sichtbare Neuerung ist die erweiterte Darstellung in der Jolla-Maps-Anwendung. Außer den Straßenkarten gibt es jetzt auch Karten für Fußgänger und den öffentlichen Verkehr sowie Satellitenbilder. Eine gesuchte Route wird aber weiterhin nur auf der Standard-Karte angezeigt. Außerdem funktioniert die Standortbestimmung mit Netzwerk-basierten Ortungsdiensten jetzt auch in Android-Anwendungen.

Eine neue Utilities-App bietet einen Workaround für einige Probleme, die Jolla-Nutzer gelegentlich plagen. Nach der Installation findet man in den Einstellungen einen neuen Eintrag, der einen Neustart von Diensten wie der Android-Laufzeitumgebung, dem Netzwerk-Stack und dem Datei-Indexierer Tracker veranlassen kann. Das erspart Fummelei im Terminal.

Daneben wurden zahlreiche Fehler behoben und Sicherheitslücken geschlossen. Viele Verbesserungen gingen aus Rückmeldungen der Community auf together.jolla.com hervor. So kann man Anrufe durch Umdrehen des Telefons abweisen, wie das schon auf dem bei der Community beliebten Nokia N900 möglich war.

Ein weiteres Feature hat Jolla dagegen kurzfristig aus dem Update entfernt. Eigentlich sollte der Entsperr-Code um Buchstaben erweitert werden. Doch weil zwei Benutzer sich damit komplett aus ihrem Jolla Phone aussperrten, hat Jolla das Feature angesichts der anstehenden Feiertage auf die nächsten Version verschoben. Die aktuelle Version unterstützt deshalb weiterhin nur Ziffern im Entsperr-Code.

Derzeit arbeitet Jolla an Sailfish OS 2.0, das auch für Tablets angepasst werden soll. In der Crowdfunding-Aktion zum eigenen Tablet konnte Jolla knapp 1,5 Millionen Euro einsammeln. Das Tablet soll im kommenden Mai ausgeliefert werden. Dabei soll die Community in die Entwicklung der Feature von Sailfish 2 eingebunden werden. Auf seinem Blog bietet Jolla einen Blick hinter die Kulissen, etwa wenn der Entwickler Carsten Munk die ersten Schritte des Hardware-Teams erklärt.

Jolla ist als Startup von ehemaligen Nokia-Entwicklern gegründet worden. Diese führen mit Sailfish die Arbeit fort, die sie mit MeeGo vor Nokias Wechsel auf Windows Phone begonnen hatten. Trotz Jolla Phone und Tablet sieht Jolla seinen Fokus primär in der Software-Entwicklung. Laut eigenen Angaben hat Jolla bisher 34 Millionen Euro durch Investoren erhalten. (Keywan Tonekaboni) / (acb)

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