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Julian Assange: USA müssen sich entscheiden

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In einer Rede vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London hat der Wikileaks-Gründer Julian Assange all seinen Unterstützern gedankt und besonders die südamerikanischen Staaten gelobt, die das von Ecuador gewährte Asyl unterstützen. Direkt an US-Präsident Obama gewandt, forderte Assange die USA auf, die "Hexenjagd auf Wikileaks" einzustellen und den mutmaßlichen Whistleblower Bradley Manning freizulassen.

In seiner sehr staatsmännisch und emotional gehaltenen Rede stellte Assange den Kampf von Wikileaks in eine Reihe mit allen Repressionen, die die Meinungsfreiheit in der ganzen Welt bedrohen. So erwähnte er die Verurteilung der russischen Band Pussy Riot ebenso wie die Gefängnisstrafe des Bloggers Nabeel Rajab. Assange schilderte, wie er in der ecuadorianischen Botschaft Schritte hören konnte, als die Polizei in der Nacht die Notausgänge besetzte und wie am nächsten Morgen die Sonne in einer neuen, gerechteren Welt aufgegangen sei, als eine mutige lateinamerikanische Nation für Gerechtigkeit sorgte.

Neben Ecuador bedankte sich Assange bei Bolivien, Brasilien, Chile, El Slavador, Honduras, Kolumbien, Mexiko, Nicaragua und Peru für die Unterstützung von Wikileaks. Erstmals erwähnte Assange bei einem öffentlichen Auftreten seine Famile und seine Kinder und sprach die Hoffnung aus, dass sie bald wieder zusammen sein werden.

Assange appellierte an die USA, sich an die Werte zu erinnern, auf denen ihre Gründung beruht. Sonst werde sich die USA zu einem repressiven Staat entwickeln, in dem Journalisten aus Angst vor Verfolgung schweigen und Bürger in der Nacht wispern müssten. Die USA müsse auf diesem Weg umkehren: "Ich appelliere an Präsident Obama, das Richtige zu tun. Die USA müssen ihre Hexenjagd auf Wikileaks einstellen."

In seiner Rede erwähnte Assange mit keinem Wort die Kernthese, die zu seinem Asylersuchen in der Botschaft von Ecuador führte: die Angst, dass er bei einer Auslieferung von Großbritannien an Schweden direkt in die USA überstellt werde und so zum Schweigen gebracht werden soll. Schweden hat einen europäischen Haftbefehl erwirkt, um dort erhobene Vorwürfe der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung von einem Untersuchungsgericht klären zu lassen. (as)