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Julian Assange ist nicht mehr online

Die Regierung von Ecuador hat dem in ihrer Londoner Botschaft lebenden Wikileaks-Gründer das Internet gekappt.

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Julian Assange

(Bild: heise online / Stefan Krempl, Archiv)

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Wikileaks-Gründer Julian Assange, dem Ecuador in seiner Londoner Botschaft Asyl gewährt, kann derzeit nicht das Internet nutzen. Dies wurde von Wikileaks in einem Tweet bestätigt. Ungeachtet dieser Einschränkung setzte Wikileaks die Serie der Podestamails fort, mit denen die interne Kommunikation von Mitgliedern der US-amerikanischen Demokraten veröffentlicht wird. Ecuador selbst hat nur mitgeteilt, dass Assanges politisches Asyl aufrechterhalten wird. Eine offizielle Stellungnahme durch das ecuadorianische Außenministerium steht noch aus.

Vom Wikileaks-Account auf Twitter, der allgemein Assange zugerechnet wird, wurden vor der Mitteilung des Internet-Entzuges "durch eine staatliche Macht" in der Nacht zu Montag drei SHA-Hashes abgesetzt. Unter dem Titel "Pre-Comitment" wurden die drei Hinweise John Kerry, Ecuador und "UK FCO" abgesetzt, letzteres das Kürzel für das britische Außenministerium. In dieser Reihenfolge könnte es bedeuten, dass der in Großbritannien weilende US-amerikanische Außenminister über das britische Außenministerium Druck auf Ecuador gemacht hat, Wikileaks' Veröffentlichungspraxis zu behindern. Nach einer anderen Lesart könnten Ermittlungen auf den Bahamas dazu geführt haben, dass Assanges Internet-Kommunikation gekappt oder gar seine Rechner einkassiert wurden. Über eine Dating-Plattform für Frauen soll Assange eine Frau kennengelernt und ermutigt haben, ihre acht Jahre alte Schwester an einem Sex-Chat zu beteiligen.

Für Julian Assange in der Londoner Botschaft ist das Internet die wichtigste Kommunikations- und Informationsquelle abseits der Besuche von Wikileaks-Getreuen und mancher Prominenz. Zuletzt empfing er am Wochenende die US-amerikanische Schauspielerin Pamela Anderson, die ihm eine vegane Mahlzeit mitbrachte.

[Update: 18. Oktober 2016 – 15:45 Uhr] In einer getwitterten Stellungnahme hat Wikileaks seine eigene Kausalkette vorgetragen. Danach sollen "mehrere Quellen" den Hinweis gegeben haben, dass US-Außenminister John Kerry die Regierung von Ecuador gebeten habe, Julian Assange an der Veröffentlichung von "Clinton-Dokumenten" zu hindern, solange die Friedensverhandlungen mit der kolumbianischen FARC-Guerilla laufen. (anw)