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Julian Assange stellt sich auf einjährigen Botschaftsaufenthalt ein

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Julian Assange, dem in der Londoner Botschaft Ecuadors Asyl gewährt wird, geht davon aus, dass er das Gebäude in sechs bis zwölf Monaten verlassen kann. Das sagte er in einem Interview mit dem lateinamerikanischen Fernsehsender Telesur. Darin äußerte er die Erwartung, dass sich seine Situation diplomatisch lösen wird oder aber über ein unvorhergesehenes Ereignis in der Welt. Als Beispiele dafür nannte er einen Krieg gegen den Iran, die Präsidentschaftswahlen in den USA oder einen Verzicht der schwedischen Regierung auf das Verfahren gegen ihn. Letzteres hält er für die wahrscheinlichste Entwicklung.

Assange, der sich seit mehr als zwei Monaten in der Botschaft aufhält, soll an Schweden ausgeliefert werden, weil ihm von der dortigen Justiz Sexualdelikte vorgeworfen werden. Er befürchtet aber, von dort in die USA ausgeliefert zu werden, wo er wegen Geheimnisverrats verurteilt werden könne. Die von ihm gegründete Enthüllungsplattform Wikileaks hatte Zehntausende geheimer US-Depeschen veröffentlicht. Assange gab sich nun aber optimistisch, dass Schweden nach einer eingehenden Prüfung seinen Fall zu den Akten legen wird. Er denkt, dass dies innerhalb der nächsten zwölf Monate geschehen wird.

In dem Interview verteidigt Assange noch einmal seinen Entschluss, in die Botschaft zu flüchten. Von den USA fühlt er sich bedroht, was in dem Interview auch mit einigen Zitaten prominenter Politiker oder Journalisten begründet wird, in denen mehr oder weniger deutlich sein Tod gefordert wurde. Auch deswegen müsse man sehr vorsichtig sein mit den offiziellen Verlautbarungen aus den USA, dass sein Fall nur Großbritannien und Schweden betreffe.

Derweil hat der britische Außenminister Hague in einem Interview mit der BBC betont, eine Lösung des Falls Assange sei noch lange nicht in Sicht. Gleichzeitig versicherte er aber, dass man die Botschaft Ecuadors nicht bedroht habe. (mho)