Cebit

Junge Querdenker machen sich Gedanken über Privacy

Jeden Tag bekommen Studenten des "Hasso Plattner-Instituts für kreatives Denken" auf der CeBIT den Auftrag, sich ungewöhnliche Lösungen für aktuelle Probleme auszudenken. Es liegt auf der Hand, dass der Datenschutz von Arbeitnehmern da nicht fehlen darf.

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Von
  • Detlef Borchers

Hoch über der Halle 9 findet auf der CeBIT Tag für Tag eine Haftzettelorgie statt. Hier hat das Potsdamer Hasso Plattner-Institut für kreatives Denken seine Tafeln und Stellwände aufgebaut. Jeden Tag müssen die Studenten auf eine Aufgabe eine kreative Antwort finden. Dabei sind sie nicht allein: Wenn abends die Zeit für die Standpartys anbricht, "wandert" die Aufgabe zum Hasso Plattner Institute of Design an der Stanford University. Am nächsten Morgen werden die Ergebnisse von 24 Stunden Brainstorming der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die zweite Aufgabe der Kreativen hatte es in sich. Privacy lautete das Hauptthema. Gesucht war eine kreative Lösung für den Datenschutz von Arbeitnehmern, der nicht zuletzt wegen der Skandale bei Bahn und Telekom in die öffentliche Diskussion geraten ist. Kreativ, nicht auf dem klassischen Weg der Gesetzgebung, die ohnehin auf die nächste Legislaturperiode verschoben ist, sollten die Querdenker sich dem Thema nähern. Am Mittwochabend wurde der deutsche Zwischenstand präsentiert. Zwei Projekte hatten sich herauskristallisiert, andere wie die virtuelle Stasi-Akte wurden verworfen. Auf der praktischen Ebene sollte ein "Privacy Analyzer" die AGB von Web-Angeboten automatisch nach Schwachpunkten durchforsten und warnen, wenn die jeweiligen Unternehmen Nutzerdaten weitergeben oder gar verkaufen. Auf der spielerischen Ebene wurde ein Privacy Paket für den Aufklärungsunterricht geschnürt, das all die Kleinigkeiten enthält, die Menschen lieber für sich behalten: Fotos von Saufgelagen, Transvestiten-Fummel, Viagra und diverse Knöllchen komplett mit einem Briefchen: "Lieber Manni, du bist immer in meinen Gedanken. Dein Internet."

In der Nacht machten sich die Designer in Stanford ans Werk. Würden sie den Ausgangsgedanken vom Arbeitnehmerdatenschutz aufgreifen können, der dem deutschen Team etwas entglitten war? Fehlanzeige: Am Donnerstagmorgen wurden das Voodoo Eye und der "Virtual Identity Report" vorgestellt. Das künstliche Auge soll im Nacken des Anwenders sitzen und immer dann heiß werden, wenn dieser persönliche Dinge im Internet freigibt. Der Identitätsreport entpuppte sich als aggregierte Sammlung all jener Dinge, die man über Google, die Wikipedia, Facebook/Xing/LinkedIn oder Yasni über eine Person herausfinden kann. Neben dem Report erfanden die Studenten einen Internet Eraser, der all diese schlimmen Fakten wirklich aus dem Internet löschen kann. Wie der Daten-Radiergummi genau funktionieren soll, konnte indes nicht beschrieben werden. Dafür gibt es ja das Plattner-Institut für IT-Systems Engineering in Potsdam – oder Dienstleister wie den Reputation Defender, die mit weißer Magie arbeiten.

Blieb die Frage nach einem innovativen Arbeitnehmerdatenschutz auch unbeantwortet, so ist die School of Design Thinking nicht ohne Erfolge. Für die Metro-Gruppe entwickelte man einen "automatischen Abholmarkt" analog zu den Packstationen, die Paketversender und Postdienste in Städten aufstellen. Was Nutzer im Internet-Supermarkt bestellen, können sie hier abends abholen. Mit dem Metro-Regal will die Handelsgruppe gegen innerstädtische Supermärkte konkurrieren, die bis 22 Uhr geöffnet haben und inzwischen eine ernste Bedrohung für Großmärkte auf der grünen Wiese sind. Auf der CeBIT selbst wurde die erste Aufgabe mit einem "Handy-Gärtner" gelöst. Geschulte Sitter betreuen stundenweise den Blackberry oder das iPhone eines Managers wie Kindergärtner dies mit Kindern tun. Gefordert war eine Lösung, den Informationsstress von Managern abzubauen. Ob die auf der CeBIT gefundenen Lösungen ankommen, soll das Blog der Querdenker dokumentieren. (Detlef Borchers) / (pmz)