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Just Cause 4 angespielt: Hauptsache, es knallt?

Just Cause 4 liefert eine amüsante Materialschlacht, die von Schwächen in KI und Missionsgestaltung zurückgehalten wird.

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Just Cause 4 angespielt: Snakes wilder kleiner Bruder

(Bild: Square Enix)

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist Rico Rodriguez, internationaler Experte für irreguläre Regimewechsel. In Just Cause 4 schicken die Schweden von Avalanche ihren unrasierten Helden ins ebenso fiktive wie tropische Solis. Dort hat der obligatorische lokale Diktator eine Maschine entwickelt, mit der er Wirbelstürme kontrollieren kann. Doch kein Hurricane hat mehr Zerstörungspotential als Rico, der eine Schneise spaßiger Verwüstung über die große Insel zieht.

Wie bei den Vorgängern sind Plot und Missionen in Just Cause 4 maximal entferntes Hintergrundrauschen, das unter sekündlichen Explosionen verstummt. Dabei hat man sich sogar diesmal Mühe gegeben: Ricos Mission ist auch persönlicher Natur, denn sein Papa hat mit an der Windmaschine gewerkelt. Und die von der knallharten Gabriela kontrollierte Privatarmee „Black Hand“ sind ebenfalls alte Bekannte, die noch eine Rechnung mit Rodriguez offen haben. Leider wirken die Figuren wie aus dem IKEA-Schnellbaukasten, und weder Vaterkomplex noch Rachegeschichte nehmen emotional wirklich Fahrt auf.

Just Cause 4 angespielt (5 Bilder)

Bäng Bumm Bäng! Wenn Michael Bay ein Videospiel machen würde, sähe es aus wie die Just-Cause-Reihe. Spektakuläre Explosionen ersetzen Strategie und Story.
(Bild: heise online)

Doch die wahre Heldin der Spielereihe waren immer schon die eindrucksvolle Spielmechanik. Ricos Arsenal origineller Fortbewegungsmittel besteht zentral aus einem Wurfhaken mit Miniwinde, einem Gleitschirm und einem Wingsuit. Vor allem der Haken ist mehr als alltagstauglich. Ob man sich per Fallschirm hinter einem Auto herziehen lässt, Sendemasten erklimmt oder sich auf feindliche Hubschrauber katapultiert – der Haken kann fast alles! Der Spielspaß sprießt vor allem aus den vielen Kombinationsmöglichkeiten, mit denen man die hoch interaktive Umgebung in heilloses Chaos stürzen kann.

Dabei erinnert Just Cause 4 oft an eine "Metal Gear Solid V"-Mod, die sich ein überdrehter Teenager im Mountain-Dew-Rausch ausgedacht hat. Die Ähnlichkeiten werden durch einige neue Fähigkeiten noch deutlicher. Schon früh bekommt man die Chance, Miniballons an den Enterhaken zu befestigen, die sehr an das Fulton-Rettungssystem aus MGS erinnern. Mit diesen lassen sich Barrikaden einfach aus dem Weg schaffen, Panzer in Flugzeuge verwandeln und Feinde per Luftpost entsorgen. Weitere Accessoires bestehen aus einem Minimotor, der zwei verbundene Objekte – zum Beispiel Öltanks – fast unabhängig von Größe zueinander zieht, sowie Miniraketen, die alles Bestückte in die Hindenburg verwandeln.

Im Vergleich sind die vielen Jeeps, Motorräder und Angriffshelikopter spießig und langweilig. Genauso wie das eher magere Arsenal an Feuerwaffen, in das nicht viel Fantasie investiert wurde. Interessanter sind schon die stationären Flak-Geschütze, Mörser und Railguns, die man in den Kämpfen nutzen kann. Doch jedes Verweilen rächt sich, und nach wenigen Sekunden Ruhe schleudert eine Explosion Rico in den Orbit. Unsichtbare Assassinen, eiserne Mechas und punktgenaue Scharfschützen setzen selbst dem eigentlich unverwüstlichen Rico zu. Dabei sind die Kämpfe trotz mangelnder Übersicht und harter Gegner sehr gut balanciert.

Wie zu erwarten beeindruckt die gewaltige Insel mit ihren vier verschiedenen Landschaften. Dschungel, Strände, Berge und Städte sind frei erkundbar, doch hat man ein Gebiet nicht per Rebellenarmee frei geschaltet, spawnen die Gegner permanent neu. Das hemmt das Freiheitsgefühl von Just Cause 4, zumal die Schwächen im Story- und Fortschrittsmanagement liegen: uninspirierte Missionen, die un-intuitive Steuerung der Rebellenarmee, und die unsägliche KI, die gerade Eskort-Missionen in nervige Kinderbetreuung verwandelt, nerven auf Dauer. Am besten spielt man Just Cause 4 wie alle Teile zuvor: als spaßigen Physik-Baukasten, mit dem man nach Belieben Fauna, Flora und Feinde malträtieren kann.

Achtung: Nutzer-Berichten zufolge hat die PC-Fassung von Just Cause 4 auf manchen Systemen gravierende technische Fehler.

Just Cause 4 (ab 44,95 €) ist seit dem 4. Dezember 2018 für PC, PS4 und Xbox One verfügbar. Für unser Angespielt haben wir das Spiel mehrere Stunden auf der PS4 getestet. (dahe)

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