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KDE -- Kommt diese Entwicklung?

Die Meldung, bei Novell werde der künftige Linux-Desktop auf Basis der Entwicklungsumgebung und -Bibliothek Qt entwickelt, sorgte für Aufregung nicht nur unter den Ximian-Entwicklern. Mittlerweile verhandelt Novell bereits mit dem Hersteller Trolltech über eine engere Zusammenarbeit.

Auf der Hausmesse Brainshare in Salt Lake City erfreute Novell seine Entwickler mit der Außendarstellung als dynamische Firma, die den Zug der Zeit Richtung Linux erkannt hat und sich entsprechend adaptiert. Im Rahmen der Berichterstattung von der Brainshare hatte heise online gemeldet, dass beim kommenden Firmen-Desktop KDE das Rennen macht. Dies basierte darauf, dass Qt als Entwicklungsumgebung bei Novell fürderhin den Standard bilden soll. Unter den Anhängern des Gnome-Desktops, die bei Novell vor allem unter den von Ximian übernommenen Entwicklern zu finden sind, sorgte die Meldung nicht für Freude. Auch außerhalb der Novell-Community tauchten Fragen auf, was von dieser Strategie zu halten ist.

In einer heise online als Mail zugegangenen offiziellen Stellungnahme des Desktop-Chefentwicklers Nat Friedman, die keine Gegendarstellung zu dem Bericht auf heise online ist, heißt es zur Frage KDE oder Gnome in bester Marketingsprache:

"Frei heraus gesagt, ist dies die am wenigsten interessante Frage, die heute in Bezug auf den Linux-Desktop gestellt werden kann. Die wichtigen Fragen für diese Industrie und den Markt sind:

  • Verbesserung der Interoperabilität mit Windows-Nutzern und Windows-Diensten,
  • Verbreiterung der Linux-Plattform, auf dass mehr unabhängige Softwarefirmen (ISV) und Entwickler auf ihr arbeiten,
  • Verbesserung der Nutzbarkeit und der Konsistenz der verschiedenen Komponenten, die einen Desktop ausmachen,
  • Vereinfachung der Migration von Windows mit Werkzeugen, Training und entsprechender Dokumentation,
  • Schaffung eines Desktops, der zentral verwaltet werden kann und damit die Support-Kosten reduziert."

Für Friedman ist das Freedesktop-Projekt eines der wichtigsten Projekte, mit dem die Entwicklung des Linux-Desktops vorangetrieben wird. Darin würden unterschiedliche Projekte wie OpenOffice, Mozilla, Evolution, Gnome und KDE zusammengeführt. "Auf lange Sicht werden wir mit Freedesktop.org zusammenarbeiten, um die wichtigen Schnittstellen und die Funktion dieser Komponenten zu vereinheitlichen, die Integration für unsere Anwender zu verbessern und eine gemeinsame quelloffene Plattform anzubieten."

Bezogen auf Gnome und KDE erklärte Friedman, dass Novell zunächst beide unterstützt. Eine Aussage zu den Entwicklungsumgebungen machte Friedman allerdings nicht. Möglicherweise steht dies in dem Zusammenhang mit der bereits gemeldeten Entscheidung für Qt. Außerdem gibt es weit reichende Verhandlungen mit der norwegischen Firma Trolltech, den Entwicklern von Qt.

Die Entscheidung hat intern bei Novell für einen erheblichen Diskussionsbedarf gesorgt. "Wenn die Karten offen gelegt werden, gibt es immer jemanden, der nicht einverstanden ist", sagte ein mit den Vorgängen vertrauter Entwickler, "es gibt jedoch keinen Grund, warum nicht unter Qt ein gemeinsamer Client mit allen Vorteilen erarbeitet werden kann. Das Aufteilen in 'Sieg' der einen und 'Niederlage' der anderen Fraktion ist total unsinnig. Es seid doch ihr, die Presse, die ihr mit eurer ständigen Kriegsberichterstattung die Glaubenskriege anheizt."

Eine Übernahme von Trolltech durch Novell wird auf Anfrage von keiner der beiden Firmen kategorisch ausgeschlossen. Die "Kriegskasse" von Novell ist nach der abgeschlossenen Infusion von 50 Millionen Dollar durch IBM ohnehin gut gefüllt. In ein oder zwei Monaten, wenn sich die Aufregung bei den von Ximian wie von SuSE abstammenden Fraktionen bei Novell gelegt hat, wird der einheitliche Desktop kein Thema mehr sein: Dann wird er eingeführt. (Detlef Borchers) / (Detlef Borchers) / (jk)

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