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KI-Konferenz IJCAI: Menschenähnliche Intelligenz oder nur schlaue Statistik?

Ob die KI-Forschung ihr großes Ziel der menschenähnlichen Intelligenz aus den Augen verloren hat, fragten sich Wissenschaftler auf der IJCAI-Konferenz.

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Künstliche Intelligenz

(Bild: Gerd Altmann)

Ein häufiger Einwand gegen Forschungen zur Künstlichen Intelligenz (KI) lautet, dass es sich bei der jeweiligen Technik ja gar nicht um Intelligenz handle, sondern nur um Algorithmen. Viele der Vorträge auf der am Donnerstag beendeten KI-Konferenz IJCAI in Stockholm scheinen dieser Kritik Recht zu geben: Sehr häufig mündeten die Ausführungen der Referenten in einer Tabelle, in der die Leistungsdaten verschiedener Algorithmen zur Bewältigung einer bestimmten Aufgabe – seien es Produktempfehlungen, Bildannotationen oder Sprachgenerierung – aufgelistet wurden, wobei das selbst entwickelte neue Rechenverfahren in der Regel am besten abschnitt.

Ist KI also nichts weiter als Statistik, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Graphentheorie? Geht es nur darum, den Besuchern von Onlineshops noch besser auf die jeweilige Person zugeschnittene Angebote zu präsentieren, Gesichter von Demonstranten in Menschenmengen zu erkennen, auch wenn sie vermummt sind, oder Internetforen mit täuschend echt formulierten, automatisch generierten Beiträgen zu überfluten?

Tatsächlich hatte der deutsche KI-Pionier Wolfgang Bibel auf der IJCAI (International Joint Conference on Artificial Intelligence) beklagt, dass die Forschung ihre großen Ziele wie die Erzeugung einer menschenähnlichen Intelligenz aus den Augen verloren habe. Konferenzleiter Jeffrey S. Rosenschein (Hebrew University of Jerusalem) wollte sich dieser Position jedoch nicht anschließen. Sicherlich sei die Forschung manchmal stark auf spezifische Anwendungen konzentriert, sagte er in der abschließenden Pressekonferenz.

Doch das Ziel einer allgemeinen künstlichen Intelligenz werde ebenfalls weiterhin verfolgt. "Starke Visionen sind nötig", gab Rosenschein zu. "Aber die Spannung zwischen Traum und Realität ist keine schlechte Sache.“ Als Beispiel verwies er auf die Wettbewerbe der US-Militärforschungsbehörde Darpa zu autonomen Fahrzeugen: "Beim ersten Wettbewerb im Jahr 2004 schaffte es kein einziges Fahrzeug ins Ziel. Aber die Aufgabenstellung erwies sich als so inspirierend, dass schon ein Jahr später sechs Teams die gesamte Strecke bewältigten."

Autonome Fahrzeuge sollen auch bei der IJCAI im kommenden Jahr eine prominentere und sichtbare Rolle spielen. "Wir haben vor, autonome Fahrzeuge für bestimme Aufgaben, wie etwa die Auslieferung von Lunchpaketen, einzusetzen", sagte IJCAI-Präsident Qiang Yang. KI und Robotik hätten sich lange Zeit parallel entwickelt, würden aber mehr und mehr zusammenwachsen. Auch innerhalb der KI selbst ginge es vermehrt um die Integration verschiedener Forschungsfelder, wie sich an zahlreichen Beiträgen zur diesjährigen Konferenz gezeigt habe. Der nächste große Schritt, der sich abzeichne, sei die Verbindung von logischem Schließen (reasoning) mit Verfahren des maschinellen Lernens. Die bislang verwendeten Lernverfahren benötigten zumeist große Datenmengen, die aber häufig nicht zur Verfügung stünden. (Hans-Arthur Marsiske) / (axk)

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