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KI-Experte: Maschinendaten sind "die letzte Chance für Europa"

Der KI-Forscher Wolfgang Wahlster sieht beste Voraussetzungen für die deutsche Industrie, Daten aus dem Internet der Dinge zu monetarisieren.

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(Bild: Peshkova / shutterstock.com)

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Deutschland hat als Export-Weltmeister den direkten Zugang zu einem der größten Datenschätze überhaupt in Form von Messwerten von Maschinen. Von diesen Möglichkeiten Gebrauch zu machen und die meist nicht personenbezogenen Informationen zu monetarisieren sei zugleich "die letzte Chance für Europa", um im Zukunftsbereich Künstliche Intelligenz (KI) gegenüber China und den USA aufzuholen, konstatierte Wolfgang Wahlster, langjähriger Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), am Dienstag vor dem Treffen des KI-Expertenrats von Microsoft in Berlin.

In den USA und China stammten 80 Prozent der Hochpräzisionsmaschinen in Fabriken aus Deutschland, erläuterte Wahlster. Beim E-Autobauer Tesla in Fremont bestünden sogar über 90 Prozent des Anlagenparks wie etwa Lackierroboter "aus allerneuesten deutschen Maschinen". Volkswagen zeige in seinem neuen Werk in Zwickau, was sich mit einer Analyse der Daten erreichen lasse: Dort bringen über 400 mobile Roboter Bauteile genau "zu der passenden Bearbeitungsmaschine, die gerade frei ist". Die maschinellen Helfer rasten dabei in der Halle regelrecht herum. Dies sei nur möglich, wenn sie sich untereinander verständigen und der Mensch das Gewusel noch überblicken könne.

Nötig sei dafür auch eine "Norm 4.0", wofür das Bundeswirtschaftsministerium zusammen mit DIN bereits den Auftakt gemacht und "über 300 Leute aktiviert" habe, erklärte das Mitglied der Datenethik-Kommission. Dabei gehe es nicht mehr darum, sich "Zettelsammlungen" anzuschauen, um etwa herauszufinden, wie ein Schuko-Stecker aufgebaut ist. Gefragt seien vielmehr maschinenprüfbare, automatisch zertifizierbare Standards. Das World Wide Web Consortium (W3C) habe eine solche Entwicklung mit HTML oder XML bereits vorgemacht, nun seien ähnliche Normen für den Austausch von Maschinendaten für die Industrie 4.0 und das Internet der Dinge gefragt.

Bei einer Norm 4.0 sollten dem Wissenschaftler zufolge gleich die Prinzipien "Ethics by Design" und der Erklärbarkeit von Algorithmen mitgedacht werden. Ethische Leitlinien gehörten direkt in den Prozess der Entwicklung von Systemen hinein. Werde später ein Löschantrag gestellt, weil etwa Daten missbraucht worden seien, könnte dieser bei so einem Ansatz vergleichsweise einfach realisiert werden. Noch nicht ganz gelöst sei die Frage, wem Maschinendaten im Einzelfall gehörten. Für Zwecke wie Wartung und Optimierung müssten die Hersteller darauf zugreifen können, dürften sie aber nicht an Wettbewerber weitergeben.

Wahlster mahnte zur Eile, um auf diesem Gebiet zu punkten. Dafür müsse etwa die KI-Strategie der Bundesregierung ergänzt werden: "Wir haben nur ein kleines Fenster zur Umsetzung" derzeit. Die "zweite Welle" der Künstlichen Intelligenz "kommt wie ein Tsunami auf uns zu", berichtete der Insider von seiner Einladung jüngst zur KI-Weltkonferenz IJCAI in Macao. Dort sei "Deep Learning plus X" als neue Spielart der Technik "das durchgehende Thema" auch bei Akteuren von Alibaba, Tencent oder Google und Amazon gewesen. Um statistisch gelernte Scheinkorrelationen beim Wissenserwerb aus Big Data automatisch auszusortieren, müssten zertifizierte Wissensgraphen verwendet werden, die aus seriösen Informationsquellen extrahiert wurden

Die Forschung will sich laut dem Experten also nicht mehr nur aufs Maschinenlernen mit Mustererkennung konzentrieren, sondern auch Hintergrundwissen hinzufügen. Dafür sei die Qualität der Trainingsdaten mindestens genauso wichtig deren Quantität. Beim "X" kommt es so darauf an, "Daten wissensbasiert zu veredeln" und etwa "automatisch zu taggen" mit Meta-Informationen.

[UPDATE: 13.11.2019, 15:50]

Diese Meldung ist eine ergänzte und erweiterte Neufassung der Meldung "KI: Nur noch "kleines Zeitfenster" für Deutschlands Führungsrolle" von 12:51. (olb)