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KI und Bundeswehr: Auf dem Weg zu autonomen Waffensystemen

KI wird das Kriegsgeschehen beschleunigen, sagen Experten – unter anderem durch autonome Waffensysteme, über die auch die Bundeswehr nachdenkt.

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KI und Technik werden den Krieg massiv verändern.

(Bild: Dennis Herring/US Cyber Command)

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Die Bundeswehr strebt die Entwicklung tödlicher autonomer Waffensysteme an. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier des Amts für Heeresentwicklung hervor. Die Autoren des Papiers stufen die darin beschriebenen Systeme allerdings selbst als lediglich "automatisch" ein. Sogenannte Taktische unbemannte Flugsysteme (TaUAS) sollen Aufgaben "von der Aufklärung über Sperren bis hin zu offensiven Wirkmitteln" übernehmen.

In dem Positionspapier Künstliche Intelligenz in den Landstreitkräften, das auf der Tagung Künstliche Intelligenz – Chancen und Risiken für die Bundeswehr in Bonn verteilt wurde, wird ein Aufgabenszenario folgendermaßen beschrieben: "Die TaUAS sind mit Wirkmitteln ausgerüstet, die Gefechtsfahrzeuge oder empfindliche Komponenten von leichten gepanzerten Fahrzeugen bekämpfen können. Hierbei wird ein Schwarmverhalten genutzt, um die relativ geringe Nutzlast sowie die hohe Verwundbarkeit der einzelnen TaUAS durch Übersättigungsangriffe zu kompensieren."

Waffen, die Gefechtsfahrzeuge wirksam bekämpfen können, sind aber zum einen zweifellos potenziell tödlich. Zum anderen sind solche Einsätze nicht per Fernsteuerung zu betreiben: Die Drohnen müssen ihre Waffen bei Bedarf selbstständig auslösen können. Ein solches System nicht als "autonom" zu bezeichnen folgt der bereits mehrfach kritisierten Taktik, autonome Waffensysteme so zu definieren, dass sie öffentlich abgelehnt werden können, ohne eigene Entwicklungen zu beeinträchtigen.

So definiert das Positionspapier ein tödliches autonomes Waffensystem als ein "allein gegen Personen" gerichtetes System, das zudem lernfähig sein müsse und "ohne jegliche menschliche Einflussnahme" handle. Insbesondere letztere Bedingung kann eigentlich nur als absurd bezeichnet werden: Schließlich würden autonome Systeme wie Soldaten auch Befehlen, also menschlicher Einflussnahme, folgen – die sie dann mehr oder weniger flexibel der jeweiligen Situation anpassen.

Einer Definition des US-Militärs zufolge, wonach autonome Waffensysteme, einmal aktiviert, ihre Ziele ohne weitere Einwirkung durch Menschen auswählen und bekämpfen können, müssen die vom Amt für Heeresentwicklung angestrebten Drohnensperren in diese Kategorie eingeordnet werden. Die Bundeswehr dreht damit weiter an einer gefährlichen Rüstungsspirale, während die Bemühungen des für Rüstungskontrolle zuständigen Auswärtigen Amtes bei entsprechenden UN-Verhandlungen in Genf als eher zaghaft eingestuft werden müssen und bislang auch keine greifbaren Ergebnisse erzielen konnten. Um solchen Debatten zu entgehen, wurde auf der Bonner Tagung vorgeschlagen, auf Begriffe wie "Autonomie" oder "Intelligenz" ganz zu verzichten.