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KIC 8462852: Mysteriöser Stern wird wohl von Kometen umkreist

Mysteriöse Helligkeitsschwankungen eines weit entfernten Sterns hatten Spekulationen über Megastrukturen einer außerirdischen Zivilisation genährt. Eine natürliche Erklärung ist aber wahrscheinlicher und wird von neuen Forschungsdaten gestützt.

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Kometen und vor allem ihre Schweife könnten viel Licht des fernen Sterns verdecken.

(Bild: NASA/JPL-Caltech)

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Die rätselhaften Helligkeitsschwankungen des Sterns KIC 8462852 könnten durch einen Schwarm von Kometen ausgelöst worden sein, der aus unserer Perspektive Teile des Lichts blockiert hat. Die Auswertung von Daten des Weltraumteleskops Spitzer haben andere natürliche Erklärungen für das Phänomen unwahrscheinlicher gemacht, teilte die US-Weltraumagentur NASA mit. Auch darin sei kein Übermaß an Infrarotstrahlung gefunden worden, das auf ein in jüngerer Zeit – etwa durch eine Kollision – aufgewühltes System hinweisen würde. Gegen Megastrukturen einer außerirdischen Zivilisation als mögliche Erklärung sprechen die neuen Erkenntnisse aber wohl nicht.

Mitte Oktober war bekannt geworden, dass Astronomen über merkwürdige und sehr starke Helligkeitsschwankungen eines rund 1500 Lichtjahre entfernten Sterns rätseln. Die deuten auf Objekte hin, die vor dem Stern vorüberziehen und deutlich größer sein müssten als Exoplaneten. Weil aber von dem System keine übermäßige Infrarotstrahlung ausging, schien eine proto-planetare Scheibe oder ein durcheinander gewirbeltes System – etwa durch einen zu nahen Stern – als Grund auszuscheiden. Als mögliche Erklärung wurde auch ein Schwarm von Kometen genannt, deren Schweife viel Licht absorbierten. Das wir genauso etwas zu sehen bekommen haben, käme jedoch einem immensen Zufall gleich, schätzen die Forscher.

Kepler hat den Stern im Spektrum des sichtbaren Lichts beobachtet und 2011 sowie 2013 die starken und ungleichmäßigen Verdunkelungen registriert. Dann sei das System zuerst mit Daten des Weltraumteleskops Wise auf übermäßige Infrarotstrahlung hin untersucht worden, erläutert die NASA. Die stammten aus dem Jahr 2010 – also vor Keplers Beobachtung – und entdeckten keine. Spitzer wiederum habe den Stern 2015 ins Visier genommen und auch keine auffällige Infrarotstrahlung entdeckt. Das stütze die Kometen-Theorie gegenüber der Kollisions-Theorie, schreibt die NASA. Auf die Hypothese der Alien-Megastrukturen geht sie nicht ein.

Bald soll das Green-Bank-Observatorium den Stern ins Visier nehmen.

(Bild: Geremia)

Dieser Hypothese hatte sich jüngst bereits das SETI-Institute gewidmet. Mehr als zwei Wochen lang wurde der Stern mit den 42 Antennen des Allen Telescope Array auf Radiosignale hin untersucht, die auf Außerirdische hinweisen – ohne Erfolg. Auch das SETI-Institute bezeichnete eine natürliche Erklärung für das Phänomen als "sehr wahrscheinlich", es sei aber nur umsichtig, auch andere Thesen zu überprüfen. Der Mangel an Hinweisen im Radiospektrum widerspreche nicht seiner Theorie, hatte der Astronom Jason Wright auf Reddit erklärt – er hatte die Alien-Megastrukturen in die Diskussion gebracht. Hochentwickelte Außerirdische könnten Kommunikation über Radiowellen hinter sich gelassen haben, so wie wir auf Glasfaser umsteigen.

Wright hatte dafür plädiert, neben den natürlichen auch "andere Szenarien" zu prüfen. Er meint, die ungewöhnlichen Helligkeitsschwankungen würden zu einem Schwarm von Megastrukturen passen, die etwa als immense Sonnenkollektoren die ferne Sonne umkreisen und von Außerirdischen gebaut worden wären. Gemeinsam mit Tabetha Boyajian, die das erste wissenschaftliche Papier zu KIC 8462852 veröffentlicht hatte, will er den Stern im Januar mithilfe des riesigen Radioteleskops des Green-Bank-Observatoriums untersuchen. (mho)