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KPN will weg vom B-Rating: Massiver Schuldenabbau geplant

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Der niederländische Telekommunikations-Konzern KPN will noch in diesem Jahr seine Schuldenlast in Höhe von 21,9 Milliarden Euro um ganze 5 Milliarden Euro reduzieren, berichtet das Wall Street Journal am heutigen Dienstag. Hintergrund des Gewaltaktes ist das vergleichsweise schlechte Finanz-Rating, das die Niederländer von den Agenturen erhalten: Als Europas höchst verschuldetes Telekommunikationsunternehmen wird KPN mit einem B-Rating bewertet, während die übrigen Ex-Monopolisten noch ihre A-Wertungen halten können.

Grund für die hohe Schuldenlast sind die horrenden Ausgaben im Rahmen der UMTS-Lizenzversteigerungen in Deutschland und den Niederlanden, die KPN insgesamt rund 8,8 Milliarden Euro gekostet haben. Außerdem hatte das Unternehmen Ende 1999 den deutschen Mobilfunkbetreiber E-Plus übernommen und damit sein 99er-Geschäftsergebnis mit 666 Millionen Euro belastet.

Die Maßnahmen zum Schuldenabbau sind massiv und bestehen vorwiegend im Verkauf zahlreicher Unternehmensbeteiligungen. So will sich KPN von den irischen Netzbetreibern Eircom und Eircell, von der tschechischen Cesky Telekom und von Unternehmen in Ungarn, der Ukraine und in Indonesien trennen. Auch die Anteile am US-amerikanischen Datennetzbetreiber Infonet stehen zur Disposition. Weiterhin sollen einige von KPN unterhaltene Beteiligungen an Datenzentren, Netzwerkausrüstern und Beratungsdiensten verkauft, ausgegliedert oder künftig nur noch zusammen mit Partnern betrieben werden.

Die hohen Ausgaben für die UMTS-Lizenzen sind nach Meinung des KPN-Geschäftsführers Paul Smits aber auf jeden Fall gerechtfertigt. Die Kosten für die Lizenzen und den Netzaufbau in Höhe von 15 Milliarden Euro würden bereits durch 5 Euro monatlichen Mehrerlös pro KPN-Mobilfunkkunden zu decken sein. Das Unternehmen zählt derzeit 20 Millionen Kunden im Mobilfunkgeschäft.

Die Ratingagenturen bewerten die KPN-Ankündigungen zurückhaltend. Der Zeitplan für die Verkäufe der Unternehmensbeteiligungen werde durch die schwierigen Marktbedingungen ungünstig beeinflusst. Dasselbe müsse für die hieraus erwarteten Erlöse gelten, und auch der geplante Börsengang der Mobilfunktochter KPN Mobile sei in der derzeitigen Marktsituation schwer kalkulierbar. Daher bleibe die Bewertung von KPN unter erheblichem Druck, äußerte die US-Ratingagentur Standard & Poor's in einer ersten Stellungnahme.

Auch das Stühlerücken hat bei KPN bereits begonnen: Zwei Manager würden "aus persönlichen Gründen" aus dem Vorstand ausscheiden, hieß es – darunter der für Mobilfunk, Internet und internationale Aktivitäten zuständige Joop Drechsel, der mit dem Versuch, das Unternehmen mit der spanischen Telefonica zu fusionieren, gescheitert war. Auch die unter seiner Federführung lancierte E-Plus-Allianz mit dem deutschen Zweig der japanischen Hutchison Whampoa Ltd., die mit dem Rückzug der Japaner endete, war ungünstig aufgenommen worden. Beide Manager-Posten sollen nicht neu besetzt werden. (klp)