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Kabel BW mit echtem Video on Demand

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Neben dem Fernsehsender Sky unterhalten heute auch viele Kabelnetzprovider ein Pay-per-View-Angebot, bei dem Kunden Filme einzeln gegen Bezahlung abrufen können. Echte Video on Demand (VoD) gab es dabei jedoch bislang nicht; vielmehr wurden Filme auf einem oder mehreren Programmen in festen Intervallen ausgestrahlt (Near Video on Demand). Der Kunde entscheidet also nicht, wann der Film startet, sondern muss zu einem bestimmten Zeitpunkt einsteigen, um den Streifen von Anfang an sehen zu können.

Anders sieht dies beim neuen Video-on-Demand-Angebot des Kabelnetzproviders Kabel BW aus, der ab heute in ganz Baden-Württemberg verfügbar sein soll: Jeder VoD-Kunde bekommt hier seinen Film tatsächlich auf Abruf gestreamt. Bei der technischen Umsetzung beschreitet der Provider Neuland: Der digitale TV-Datenstrom wird tatsächlich weiterhin über das DVB-C-Netz von Kabel BW ausgeliefert; jeder VoD-Kunde bekommt, vereinfacht gesprochen, einen eigenen TV-Kanal. Als Verschlüsselungsverfahren kommt das auch bei den Pay-TV-Paketen genutzte NDS Videoguard zum Einsatz.

In der Praxis nimmt der beim Kunden stehende Receiver via Internet mit dem Server des Providers Kontakt auf, sobald der Mietvorgang angestoßen wird. Der Kabel-BW-Server überprüft daraufhin, welche Frequenz in dem betreffenden Gebiet noch frei ist und schickt den TV-Datenstrom auf dieser zum Kunden. Zuvor wird dem Receiver über das Internet mitgeteilt, wo er den gemieteten Film finden kann. Der Film kann aktuell nach der Bezahlung 24 Stunden lang beliebig oft angeschaut werden.

Den neuen VoD-Dienst können alle Kabel-BW-Kunden sofort nutzen, die einen aktuellen HDTV-Receiver oder einen "älteren" interaktiven SDTV-Receiver (mit Breitband-Anschluss) zu Hause stehen haben. Die nötigen Firmware-Updates, um diese Geräte fit für das Angebot zu machen, werden aktuell ausgespielt. Weiterhin ist zunächst ein Internetzugang von Kabel BW nötig; künftig soll sich aber auch ein DSL-Anschluss jedes beliebigen Providers nutzen lassen können.

Auf Nachfrage erklärte Kabel BW gegenüber heise online, dass man nicht auf die Übertragung der Filme via Internet wechseln wolle, da es sich bei DVB-C um eine bewährte Technologie handele. Hierüber würden die Filme in HD- (1080i) mit 10 MBit/s und in SD-Auflösung mit 4 MBit/s störungsfrei übertragen.

Kabel BW hat nach eigenen Angaben Filme aller wichtigen Hollywood-Studios im Angebot. Die 24-Stunden-Miete schlägt mit 0,99 Euro für eine TV-Episode und 4,99 Euro für die aktuellsten HD-Filme zu Buche; ein Kaufangebot existiert aktuell nicht. Die Abrechnung erfolgt über die Kabel-BW-Rechnung, eine Grundgebühr erhebt der Provider nicht. Bei vielen Filmen soll der Anwender schließlich jederzeit zwischen der Synchronfassung und dem Originalton wechseln können. Die Altersverifikation läuft für FSK16/18-Filme über Smartcard und PIN. Um das Vollerotik-Angebot nutzen zu können, müssen sich Kunden per PostIdent-Verfahren identifizieren; sie erhalten daraufhin eine gesonderte PIN.

Kabel Deutschland will 2011 ein ähnliches VoD-Angebot starten, das aber vorerst auf die Städte Berlin, Hamburg und München beschränkt sein soll. (nij)