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Kabel-Branche sieht sich bei Breitband in der Führungsrolle

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Die Kabelnetzbetreiber zeigen sich selbstbewusst und sehen sich als treibende Kraft des Breitband-Netzausbaus. Die Kabelbranche treibe die Telco-Konkurrenz beim Aufbau der "Next Generation Acess"-Netze (NGA) voran, beschrieb Kommunikationsdirektor Manuel Kohnstamm von der Liberty Global Europe BV am Dienstag in Berlin die "Rolle der Kabelinfrastruktur im Breitbandausbau und im Wettbewerb". Liberty Global ist die Konzernmutter des zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreibers, der in Hessen und NRW aktiven Unitymedia, deren Übernahme das Bundeskartellamt und die EU Anfang des Jahres genehmigt hatten.

"Das Kabel übernimmt die Rolle des Katalysators für die NGA-Investitionen", erklärte Kohnstamm auf der WIK-Veranstaltung "Nationale Strategien für den Ausbau von Ultrabreitband-Infrastrukturen". In Sachen Breitband habe man einen Vorsprung: Die Konkurrenz DSL sei mit der 2006 eingeführten zweiten Generation des Kabelmodemstandards DOCSIS 2.0 überholt worden; gegenwärtig führen alle Betreiber den Nachfolger DOCSIS 3.0 ein, der Downloadraten bis zu 400 Mbit/s und möglicherweise sogar bis zu 800 Mbit/s biete. "Der Vorsprung ist wahrscheinlich befristet und hängt davon ab, wie schnell die lokalen Betreiber und FTTH-Initiativen vorankommen", schätzt Kohnstamm, "doch innerhalb dieses Fensters haben wir die Gelegenheit, Marktanteile zurück zu gewinnen".

Auf die Frage, wie sein Unternehmen auf den zunehmenden Bedarf nach symmetrischen Datenraten im Up- und Download reagieren wolle, verwies der Liberty-Manager auf das 120/20-Produkt seines Hauses; die 20 Mbit/s im Upload seien mehr, als man bei DSL bekomme. Zugleich kündigte er ein Zugangsprodukt mit symmetrischen Datenraten von 30 oder 40 Mbit/s an, das derzeit entwickelt und getestet werde und in diesem oder im nächsten Jahr für die Zielgruppe der kleineren Geschäftskunden auf dem SOHO-Markt ('Small Office, Home Office') angeboten werden solle.

Kohnstamm ließ aber auch durchblicken, dass er die Diskussionen um den Glasfaserausbau, Breitbandzugänge und Datenraten im Grunde für fehlgeleitet hält. "Die Rolle des Netzzugangs für die Wertschöpfung wird überschätzt", meinte er. Die eigentlichen Gewinne würden nicht auf der Ebene des Netzbetriebs, sondern der Dienstebündelung erzielt – mit Dingen, "die die Leute wirklich haben wollen".

Zum Stand, den Perspektiven und zur Positionierung der Kabelnetze zu Fiber-to-the-Home in Deutschland bringt c't in Heft 12/10 einen ausführlichen Hintergrund-Report. (vbr)