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Telepolis

Kalifornien: Mord wegen Eintrag in Sexualstraftäter-Register

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In Kalifornien ist offenbar zum ersten Mal ein Sexualstraftäter von einem Mitbürger ermordet worden, weil dieser den Namen und den Wohnort des verurteilten Vergewaltigers in einer öffentlich zugänglichen Sexualstraftäter-Datenbank gefunden hatte. Wie die Los Angeles Times am heutigen Montag berichtet, ging der mutmaßliche Täter davon aus, dass es sich bei einem 67-Jährigen, der nur wenige Tage zuvor in eine Wohnwagen-Siedlung in Lakeport eingezogen war, in der auch der spätere Täter wohnte, um einen Kinderschänder handele, was den Angaben zufolge aber nicht zutraf.

Nach dem sogenannten "Megan's Law", das insbesondere Kinder vor Angriffen gegen Leib und Leben schützen soll, müssen sich verurteilte Sexualstraftäter in Kalifornien innerhalb von fünf Tagen bei den lokalen Polizeibehörden melden, wollen sie sich in einer Gemeinde niederlassen. Die Adressdaten werden in einen bereits mit der rechtskräftigen Verurteilung angelegten Datensatz eingepflegt, der neben einem digitalen Lichtbild und persönlichen Daten auch Informationen zu den begangenen Straftaten enthält. Besorgte Bürger können diese Daten im Internet abrufen und sich auf digitalen Karten anzeigen lassen, ob ein verurteilter Sexualstraftäter in ihrer Nähe lebt.

Dies hatte offenbar auch der 29-Jährige getan, der jetzt unter Mordverdacht steht. Laut LA Times informierte der wegen Gewalttätigkeiten vorbestrafte Bauarbeiter seine Nachbarn zwei Tage vor der Tat, dass er das spätere Opfer als verurteilten Kinderschänder identifiziert habe. "Er hatte es aus dem Internet", zitiert die Zeitung einen Anwohner. "Er sagte, der dürfe hier nicht sein." Nachdem die Polizei den 67-Jährigen erstochen in seinem Wohnwagen aufgefunden hatte, erzählten die Nachbarn den Beamten von den Kinderschänder-Vorwürfen.

Blut des Ermordeten an den Händen und der Kleidung des Bauarbeiters führten schließlich zur Verhaftung des 29-Jährigen. Dieser gab an, er habe gesehen, wie der Ältere seinen Sohn beobachtet habe. "Das war mehr als nur beobachten. Ich habe es in seinen Augen gesehen. Wer weiß, wie vielen Kindern er noch etwas angetan hätte." Tatsache ist jedoch, dass der 67-Jährige nie wegen Straftaten gegenüber Kindern auffällig geworden war. "Er wurde wegen anderer schlimmer Sachen verurteilt, aber keine stand im Zusammenhang mit Minderjährigen", erklärt der stellvertretende Staatsanwalt des Lake County, Richard F. Hinchcliff.

Laut Akten war der 67-Jährige bereits im Alter von 15 Jahren straffällig geworden, seine letzte Verurteilung datiert aus dem Jahr 1987. Wegen Vergewaltigung einer 37-Jährigen verbrachte er die letzten zwanzig Jahre entweder im Gefängnis oder in der geschlossenen Psychiatrie. In der Sexualstraftäter-Datenbank waren als Straftaten "Vergewaltigung" und "Oralverkehr mit einer Person unter 14 Jahren oder mit Gewalt" vermerkt. Aus letzterer Beschreibung leitete der mutmaßliche Mörder offenbar ab, dass sich der 67-Jährige an Kinder vergangen haben müsse. Er habe seinen eigenen Sohn schützen wollen, der schon einmal sexuell belästigt worden sei, sagte er einer LA-Times-Reporterin, die ihn im Gefängnis besuchte.

"Ich denke, dass beide Opfer des Internets sind", meint die Psychologin Charlene Steen, die den 67-Jährigen, der Mitte Oktober auf freien Fuß gesetzt worden war, im Rahmen von zwei Haftprüfungsverfahren untersucht hatte. Der 29-Jährige habe wahrscheinlich die Formulierung "oral copulation with a person under 14 or by force" nicht richtig begriffen. "Und jetzt gibt es einen Toten, weil sein Name und sein Bild in dieser Datenbank gespeichert waren." In Kalifornien ist es seit dem Jahr 2004 erlaubt, persönliche Informationen über verurteilte Sexualstraftäter im Internet zu veröffentlichen. Seit Mai 2005 ist eine nationale Sexualstraftäter-Datenbank (Dru Sjodin National Sex Offender Public Registry) online, die vom US-Justizministerium betrieben wird und alle Bundesstaaten umfasst. (pmz)

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