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Kalter Cyberwar: "Grenze zwischen Krieg und Frieden verschwimmt"

Hat Russland bei der Wahl Donald Trumps nachgeholfen? Das sei nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen, sagten US-Cybersicherheitsexperten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

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Kalter Cyberwar: "Grenze zwischen Krieg und Frieden verschwimmt"

Vermutlich stehen sich die beiden nicht so nah wie in diesem Graffiti dargestellt, aber es ist anscheinend nicht auszuschließen, dass der eine dem anderen digital geholfen hat.

(Bild: dpa)

Nur ein paar Stunden vor Donald Trumps Amtsantritt konstatiert eine US-Expertenrunde auf dem Weltwirtschaftsforum eine Zeitenwende im "Cyberwar". Die Grenzen verschwimmen, "ob wir schon im Krieg sind und ob wir es noch nicht sind", sagte der scheidende Cyber Security Advisor von Barack Obama, Thomas Donilan am Abschlusstag des Weltwirtschaftsforums.

Erstmals in der Geschichte sei unklar, ob der US-Präsident durch den Hack eines Gegners an die Macht gekommen sei, sagte in Davos David Rothkopf, CEO von der Foreign Policy Group. Klare Stellungnahmen dazu konnte Rothkopf in der US-Expertenrunde nicht provozieren. Offenbar schreckten alle vor klaren Analysen und Aussagen zurück. Unabhängig vom tatsächlichen Effekt nannte Donilon den Versuch der Einflussnahme allerdings ein Symbol einer neuen integrierten digitalen Kriegsführung. Deutschland und die Europäer, die vor Wahlen stünden, "müssen sich darauf einstellen", sagte Donilon und gab zwei Empfehlungen.

In den USA müsse mehr Geld für die Abwehr der "Cyber"-Bedrohung ausgegeben werden. Die Budgets seien im Vergleich zu den Töpfen für Homeland Security und den Anti-Terrorkampf sehr klein. Die öffentliche Hand könne noch viel tun, um ihre Hard- und Softwaresysteme abzusichern. Zweitens pflichtete er der MIT-Physikerin Shirley Ann Jackson bei, dass es internationale Verhandlungen zu den Umgangsregeln zwischen Staaten im Cyberspace geben müsse. Während die Physikerin allerdings zu einer Konvention im Still der Seerechtskonvention der Vereinten Nationen riet, schweben Donilon vorerst nur Verhandlungen mit "like-minded countries" vor.

Ein kalter Kriegshauch wehte auch durch die Äußerungen des früheren venezolanischen Handelsministers und heutigem Fellow der Carnegie Stiftung für internationalen Frieden, Moisés Naím. "Der Cyberspace ist voll aufgerüstet", doch Diktatoren hätten viel mehr Handlungsoptionen als Demokratien, klagte Naím.

"Wenn man sich die Liste der Cyberattacken anschaut, dann richten sie sich vor allem gegen westliche Demokratien", resümierte er. Natürlich hätte der Westen auch gerne ein paar Wikileaks-Dokumente über die Kommunikation der chinesischen kommunistischen Partei oder aus Moskau gehabt. "Aber wir haben nur solche über westliche politische Führer bekommen. Dafür brauchen wir eine Lösung", so Naím.

Hack-Back-Aktionen von Privaten – ohne offizielles Mandat – wie sie der Chef des Softwareriesen CA, Michael Gregoire in die Runde warf, bezeichneten die US-Experten als illegal. Naíms Ratschlag lautet: Es müsse ein Club der demokratischen Länder geschaffen werden, die sich über Gegenmittel, organisationelle, technische und auch philosophische Aktionen einige – und im kommenden Jahr sollen dann auch auf Weltwirtschaftsforum in der Cyberwar-Runde mehr Länder vertreten sein, ergänzte Rothkopf. (Monika Ermert) / (anw)

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