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Technology Review

Kampf gegen Pekings Dürre

Mit einem gigantischen Kanalprojekt versucht China, seine Hauptstadt besser mit dem so wichtigen Nass zu versorgen.

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Der frühere chinesische Diktator Mao Zedong hatte Anfang der 1950er-Jahre die Idee, "das Wasser aus dem Süden zu borgen" und nach Norden in die chronisch trockenen nördlichen Provinzen des Landes zu leiten. Nun verwirklichen seine Nachfolger die Vision knapp 40 Jahre nach seinem Tod, berichtet Technology Review in seiner November-Ausgabe (am Kiosk oder online bestellbar): In einem gigantischen Unterfangen wird die Hauptstadt Peking künftig mit Flusswasser aus dem Süden versorgt.

Drei riesige Kanäle sollen Wasser nach Peking leiten (Legende: Rot - Zentralroute, Gelb - Westroute, Grün: Ostroute).

Nach mehr als zehn Jahren Konstruktionszeit ist seit Ende Oktober die mittlere von drei Routen eines Wasserumleitungsprojekts eröffnet, das Pekings Dürre beenden soll. Der neue künstliche Fluss zweigt im Süden Wasser aus dem Danjiangkou-Reservoir ab, einem Stausee in der zentralchinesischen Hubei-Provinz. Von dort führt er 1264 Kilometer nach Norden. Er soll pro Jahr zunächst 9,5 Millionen Kubikmeter Wasser in die Region Peking transportieren. Die Topografie der mittleren Route kam den Ingenieuren entgegen. Das Wasser fließt aus dem Reservoir aus 147 Metern Höhe in einem weitgehend gleichmäßigen Gefälle auf gut 48 Meter hinunter.

Das Projekt ist weltweit beispiellos in seinem Ausmaß. Wenn alle drei Routen fertig sind, addieren sich die Wasserleitungen zu mehreren Tausend Kilometern. Sie bestehen aus Tunneln, Kanälen und Aquädukten und sollen insgesamt 44,8 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Jangtse und seinen Zuflüssen nach Norden spülen.

Ob die jetzt eröffnete mittlere Route Pekings Wasserknappheit aber tatsächlich beendet, wird von Experten bezweifelt. Denn der Danjiangkou-Stausee, aus dem sich der künstliche Fluss speist, werde nicht genug Wasser liefern. "In niederschlagsarmen Jahren reicht sein Wasser gerade aus, um die anliegenden Städte zu versorgen und den Mindestpegel des Reservoirs zu halten, ohne sein Ökosystem zu gefährden", sagt Geologie-Professor Huo Yougang von der Jiaotong Universität in Xi'an. Huo erforscht seit Jahren die Folgen des Projekts für Mensch und Natur.

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(bsc)