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Kanada: Erste Glasfaser im Permafrost hilft deutschen Satelliten

Aufwändige Verlegung

Inhaltsverzeichnis

Die Kabel auf Masten zu hängen, wie es in Nordamerika aus Kostengründen meist geschieht, war im Mackenzie-Tal keine Option. Die Ureinwohner, durch deren Gebiet die Strecke führt, hatten das abgelehnt. Überirdische Leitungen hätten nicht nur die Aussicht gestört, sondern auch die Jagd behindert. Im Winter wären sie zudem schlecht zu sehen und damit eine Gefahr für Schneemobile gewesen, die mit erstaunlichem Tempo über Schnee und Eis flitzen.

heise online traf Imran Khan auf der Konferenz Opportunities North 2018 in Whitehorse.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Auch die Verlegung im Mackenzie-Fluss war nicht machbar. "Die Strömung hätte die Leitung zerstört", so Khan. Und sich von einem See zum nächsten zu hangeln wäre noch teurer gewesen, als tief zu bohren: "Die Seen liegen im Hinterland, weit weg von der Straße. Das wäre sehr teuer geworden."

Die Glasfaser im Permafrost muss noch besser verpackt und geschützt werden als Unterseekabel. Wenn die oberste Bodenschicht taut und friert, kommt es zu starken Verschiebungen, was großen Druck auf das Kabelgehäuse ausübt. Dazu kommen extreme Temperaturschwankungen. Das Material muss nicht nur jahrzehntelang extrem tiefe Temperaturen aushalten, sondern auch den häufigen Flur- und Waldbränden widerstehen.

Gebaut wurde im Winter, wenn der Boden gefroren ist, aber dann wiederum nur bei Schönwetter. Nur der gefrorene Boden und gefrorene Gewässer erlauben den Bau einer Winterstraße im Mackenzie-Tal, über die die notwendigen Baumaschinen und -Hütten fahren können.

Canada North Fibre Loop (22 Bilder)

Maschinen

Schweres Baugerät wie dieses tut sich auf gefrorenem Boden wesentlich leichter als auf aufgetautem. 
(Bild: Northern Lights GP)

Größte Herausforderung waren jedoch nicht Schnee und Eis, sondern Wasser. Mehrmals fluteten unerwartete unterirdische Gewässer den Leitungsschlitz. "Das kann sogar dazu führen, dass die nahe gelegene Straße ausgeschwemmt wird", erzählte Khan, "Außerdem haben wir sehr strenge Umweltschutzauflagen. Wir müssen alle Schäden umfassend beseitigen."

Dazu kam dann noch ein Blitzschlag. All das hat die Bauarbeiten um ein Jahr auf drei Jahre verlängert. Es dürfte wohl teurer geworden sein, als die budgetierten 82 Millionen kanadischen Dollar (53 Millionen Euro). Eine Verlängerung um etwa 140 Kilometer an die Nordküste zum Ort Tuktoyaktuk ist geplant. Dann würden auch dessen 900 Einwohner von mehr Bandbreite zu weniger hohen Tarifen profitieren.

Doch es bleibt das Problem bescheidener Zuverlässigkeit. Die Datenverbindungen laufen über Stichleitungen. Das harsche Klima, aber auch unvorsichtige Bauarbeiter verursachen immer wieder Unterbrechungen der Glasfaser. Mangels Redundanz führt dies dazu, dass Internet-Verbindungen für sehr große Gebiete nicht oder kaum brauchbar sind.

Die Reparaturen dauern meist mehrere Tage, während derer die Satellitenanbindungen völlig überlastet sind. Und das trifft dann auch jene Gemeinden, die sowieso keine Glasfaser haben, sondern grundsätzlich auf Satelliten angewiesen sind.

Abhilfe soll nun ein 777 Kilometer langer Glasfaserstrang schaffen. Aus Mitteln des Bundes (59 Millionen Dollar), des Yukon (5 Millionen) und des Netzbetreibers Northwestel (15 Millionen) soll eine Verbindung zwischen dem nördlichen Ende der Glasfaser im Yukon einerseits und Inuvik in den NWT andererseits errichtet werden. Inuvik ist das nördliche Ende des Mackenzie Valley Fibre Links. Die Bauarbeiten werden nächstes Jahr beginnen und dürften drei Jahre dauern.

Die Richtfunkstrecke zwischen Ferry Hill und Inuvik wird durch Glasfaser ersetzt. Das schließt den Canada North Fibre Loop.

(Bild: Northern Lights GP)

Damit wird der Canada North Fibre Loop fertiggestellt. Bricht die Glasfaser dann an einer Stelle, kann der Datenverkehr in der anderen Richtung durch den Ring ins Internet geschickt werden. Die meisten User würden von dem Defekt gar nichts merken. Ihre Bandbreite änderte sich nicht, und die Rundlaufzeiten nur minimal.

Zudem profitieren auch jene Siedlungen Nordkanadas, die keinen Glasfaseranschluss erhalten. Die mit Richtfunk zu überbrückenden Distanzen zwischen dem Glasfaser-Backbone und der jeweiligen Siedlung werden kürzer, womit weniger Repeater gebraucht werden. Das macht die Verbindung verlässlicher und günstiger. Und jeder User, der von einem Satellitenmodem auf Glasfaser oder Richtfunk umsteigen kann, macht Satellitenkapazität für andere User frei.