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Kanada: Erste Glasfaser im Permafrost hilft deutschen Satelliten

Erdbeobachtungs-Satelliten des DLR

Inhaltsverzeichnis

Seit 2010 verfügt das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) über eine 13 Meter durchmessende Satellitenantenne, die vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) betrieben wird. Seither wurden dort noch drei weitere, gleich große Parabolantennen gebaut: Eine gehört der kanadischen Raumfahrtagentur, eine der französischen, und eine ist eine Kooperation Frankreichs mit Schweden. Gemeinsam bilden sie die Inuvik Satellite Station Facility (ISSF), die vom kanadischen Energie- und Bodenenschatz-Ministerium verwaltet wird.

Die Satellitenschüssel des DLR in Inuvik ziert eine traditionelle Jagdszene des Gwich'in-Volkes.

(Bild: Peter Clarkson (Foto), Ronnie Simon (Gemälde))

Die deutsche Antenne wurde mit Mitteln der Helmholtz-Gemeinschaft für die Steuerung des TanDEM-X-Satelliten errichtet. Mit dieser Mission wurde bis 2016 ein Bodenprofil der Erde erstellt, das bis auf einen Meter genau ist. Das DLR hat auch bereits andere Satelliten mit polarer Umlaufbahn über Inuvik gesteuert.

Jiří Raška, Manager der Inuvik Satelite Station Facility, auf der Konferenz Opportunities North 2018 in Whitehorse

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Denn dieser Standort nördlich des Polarkreises eignet sich bestens für die Kommunikation mit solchen Satelliten, wie ISSF-Manager Jiří Raška im Oktober auf der Konferenz Opportunities North 2018 in Whitehorse betonte. In der Regel handelt es sich dabei um wissenschaftliche Satelliten mit Kameras oder Radar zur Erdbeobachtung. Ihre Umlaufbahnen laufen über den Polen zusammen.

Die Antennen in Inuvik sehen vom Nordpol bis zum Äquator und können bis zu zwölf mal täglich mit ihren Satelliten Verbindung aufnehmen, wie Raška ausführte. Das sei wesentlich mehr, als weiter südlich gelegene Bodenstationen bieten können. Häufigere Verbindungen helfen bei der Steuerung der Satelliten zu unterschiedlichen Tageszeiten. Die längere Verbindungsdauer ermöglicht es, wesentlich mehr Daten pro Tag vom Satelliten herunterzuladen.

Auf der Satellitenschüssel Kanadas prangt die Darstellung eines Leintuch-Wurfes, wie er bei den Inuvialuit üblich ist. Damit schleudern sie einen Späher in die Luft, der nach Wild oder Walen Ausschau hält.

(Bild: Peter Clarkson (Foto), Sheree McLeod (Gemälde))

Nun, da Inuvik Breitband-Anschluss hat, erweist sich das als besonders wertvoll. Plötzlich ist Inuvik wettbewerbsfähig und konkurriert mit Bodenstationen in Europa, Alaska, Argentinien, Chile und anderen Orten um Aufträge. Platz für weitere Antennen ist bereits vorbereitet. "Inuvik wird ein richtiger Sweet Spot für datenhungrige Satellitennutzer", freut sich Khan. Nicht zuletzt können die Anlagen in Inuvik auch zur Unterstützung von Raketenstarts herangezogen werden.

Im Februar soll SpaceX drei baugleiche kanadische Satelliten starten. Sie werden die RADARSAT Constellation bilden und mit C-Band-RADAR die Erdoberfläche beobachten. Dabei sollen sie, gesteuert über Inuvik, Bodenveränderungen im Millimeterbereich erkennen können. Die gewonnenen Daten sollen insbesondere Umweltschutz und Wirtschaft in Nordkanada unterstützen.

Allerdings hängt über Inuvik auch ein Schatten: Das norwegische Unternehmen Kongsberg Satellite hat dort 2016 ebenfalls eine Satelliten-Bodenstation errichtet, mit Baugenehmigung, versteht sich. Doch die Betriebsgenehmigungsverfahren machen Kanada keine Ehre. Mehr als zwei Jahre muss Kongsberg nun schon warten, während kanadische Behörden beraten, zuletzt über mögliche Auswirkungen auf die Nationale Sicherheit. Solche Bürokratie schreckt Investoren wie Kunden ab.