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Kanada: Erste Glasfaser im Permafrost hilft deutschen Satelliten

Schub für die Bildung

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Mit deutscher Hilfe soll in Inuvik eine Bildungseinrichtung entstehen, in der insbesondere Ureinwohner zu Datenspezialisten ausgebildet werden soll. Dann könnten die von den Satelliten gewonnenen Daten lokal ausgewertet werden. Ohne Breitband-Anschluss war so eine Datenschule nicht plausibel.

Überhaupt erhoffen sich Bildungseinrichtungen in Kanadas Norden einen Schub durch den Canada North Fibre Loop. Da Internetanbindungen in vielen Siedlungen besser, günstiger und verlässlicher werden, verbessern sich die Bildungsmöglichkeiten – insbesondere dort, wo es keine Straßenverbindung gibt, und Flüge für Schulbesuche prohibitiv teuer wären.

Richtfunk- und andere Antennen in Whitehorse, YT, im Oktober. Mehr Glasfaser führt auch zu besseren Mobilfunknetzen.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Live-Videoverbindungen ermöglichen es sogar kleinen Dorfschulen, spezialisierte Lehrer einzusetzen. Cisco hat Yukons Schulen mehrere Videokonferenzsysteme spendiert. Das erlaubt vielfältigere Angebote, was mehr junge Menschen anziehen und so die Drop-Out-Raten senken soll. Natürlich planen auch diverse berufsbildende Einrichtungen neue Distanzkurse.

Und das Yukon College, das 2020 zur Universität aufgewertet wird, hat bereits eine Reihe von Außenstellen im Territorium eingerichtet. Diese Räumlichkeiten sind erstaunlich wichtig: In vielen kleinen Siedlungen ist der Wohnraum knapp, so dass mehrere Generationen unter einem Dach wohnen. Ruhige Stunden zum Lernen sind da kaum zu finden.

Für eine Ausbildung in eine englischsprachige Stadt zu ziehen kommt für viele Yukoner nicht in Frage: "Ich bin mit dem Land verbunden", sagte etwa die Studentin Nicole Morningstar Tom zur Zeitschrift Routes des Yukon College, "Mir ist wichtig, in der Dorfgemeinschaft zu bleiben, weil meine Kinder hier ihre Kultur und ihre Sprache lernen können. Meine Kinder sind mein Antrieb, und sie zu entwurzeln war keine Option." Morningstar Tom gehört der Ureinwohner-Nation Little Salmon Carmacks an.

Selbiges gilt für Lehrpersonen: Auch sie werden häufiger in einer kleinen Siedlung leben und dennoch am College unterrichten können. Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung der Einbindung von Ältesten der Ureinwohner. Ihre Erfahrung und ihre Prioritäten fließen in die Lehrpläne mit ein, was ohne Breitbandverbindung schwierig zu bewerkstelligen wäre.

Sogar die staatlichen Krankenversicherungen erhoffen sich viel von verlässlicheren Datenverbindungen: Laufend werden Patienten aus nicht auf dem Straßenweg erreichbaren Siedlungen ausgeflogen, um Ärzte persönlich aufsuchen zu können. Das kostet Millionen und ist für die Patienten belastend. Oft stellt sich dann heraus, dass der Ambulanzflug nicht notwendig gewesen wäre. Gute und verlässliche Videoverbindungen sollen einen Teil dieser Flüge überflüssig machen. Ein Live-Video sagt auch dem Mediziner mehr als tausend Worte.

Sogar die Suizidraten und Drogenkonsum könnten durch leistbare Breitbandverbindungen gesenkt werden. In den langen Winternächten gibt es in den nördlichen Dörfern oft nichts zu tun. Das belastet die Psyche, was zu Selbstmedikation mit Drogen führen kann. Internet bedeutet hier Zugang zu Unterhaltungsmöglichkeiten, zu Kommunikation mit Freunden sowie Hilfsangeboten.

Und das Internet erlaubt, sich selbst der Welt zu präsentieren: "Diese Menschen hatten oft keinen Weg, sich kreativ auszudrücken", führte Khan aus. Mit Breitband-Internet können sie erstmals Musikvideos, Texte und andere Kunstwerke veröffentlichen oder mit Menschen in anderen Regionen gemeinsam erarbeiten. Das inspiriert nicht selten auch Nachbarn und Freunde. Und mit verlässlichen Livestreams werden Nischen-Sportveranstaltungen interessant für Sponsoren.

Ebenso können unternehmerische Ideen entfaltet werden: Kleine Webshops oder Angebote an Touristen haben das Potenzial, die wirtschaftliche Situation in einem Ureinwohnerdorf stark zu beeinflussen. Nicht zuletzt können Ideen ventiliert und Partner gesucht werden. Khan: "Vielleicht ist der nächste Bill Gates oder Elon Musk irgendwo dort draußen versteckt." (ds)