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Kanada: PayPal sperrt Konto wegen Zeitungsartikel über Flüchtlinge

Paypal reagiert aufgrund von Vorgaben des US-Finanzministeriums allergisch, wenn im Betreff einer Zahlung Syrien erwähnt wird. Das musste der kanadische Zeitungsverband erfahren, dessen Paypal-Konto kurzerhand gesperrt wurde.

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See, herbstliche Bäume, davor ein Bogen mit Aufschrift "WELCOME"

Ein See in der kanadischen Bergarbeiterstadt Flin Flon

(Bild: Theoffice89 - AaronC CC BY-SA 3.0)

Die kanadische Kleinstadt Flin Flon hat letztes Jahr eine syrische Flüchtlingsfamilie aufgenommen. Im Juli berichtete die lokale Zeitung, der Flin Flon Reminder, wie Eingesessene die Neuankömmlinge unterstützen. Mit diesem Artikel hat sich der Flin Flon Reminder um eine Auszeichnung des kanadischen Zeitungsverbands Newspapers Canada beworben. Die Teilnahmegebühr mittels PayPal zu zahlen hatte ungeahnte Folgen: Der Zahlungsdienst sperrte das Konto des Zeitungsverbandes.

Hauptstraße der Kleinstadt Flin Flon, die an der Grenze zwischen den Provinzen Manitoba und Saskatchewan liegt.

(Bild: Theoffice89 - AaronC CC BY-SA 3.0)

Der Zahlungsbetreff nannte den Titel des Artikels: "Syrische Familie gewöhnt sich an ihr neues Leben". Und dieser Syrien-Bezug war für Paypal Anlass genug, das Empfängerkonto sofort zu sperren. "Sie könnten Güter oder Dienstleistungen kaufen oder verkaufen, die seitens der US-Regierung reguliert oder verboten sind", schrieb Paypal an Newspapers Canada, wie zahlreiche kanadische Medien, darunter LocalXpress, berichten. Der Zahlungsdienstleister verlangte eine "komplette und detaillierte Erklärung der Transaktionen" sowie des Zahlungszwecks.

"Wir möchten mehr über Ihr Unternehmen und/oder einige Ihrer jüngsten Transaktionen erfahren", hieß es in der Mitteilung. Paypal wolle sicherstellen, dass seine Kunden den Vorschriften des US-Finanzministeriums Folge leisten. Die USA verbieten Finanztransaktionen mit Syrien, wobei es Ausnahmen gibt. Nach einer Anfrage der kanadischen Nachrichtenagentur The Canadian Press wurde das Paypal-Konto des kanadischen Zeitungsverbandes am Freitag wieder freigegeben.

Dessen Geschäftsführer ist sauer über die "exterritoriale" Anwendung von US-Vorschriften auf eine innerkanadische Transaktion. "Seit wann reguliert die US-Regierung kanadische Medien? Es ist ziemlich deutlich, dass unser Konto ein Zeitungen-Konto ist. Wir sind ja nicht die Hamas GmbH."

"Wir wollen uns nie in den Weg stellen, wenn Leute den Wunsch haben, Gutes zu tun", sagte eine Sprecherin Paypal Canadas später gegenüber The Canadian Press, "Aber das US-Finanzministerium hat klare Vorschriften über Zahlungen nach Syrien."

Die Herausgeberin des Flin Flon Reminder berichtet, PayPal habe die Zahlung als "vielleicht mit den Nutzungsrichtlinien unvereinbar" eingestuft. Diese Richtlinien habe sie aber nirgends finden können. Paypal habe angekündigt, sich innert 72 Stunden zu melden, was es aber nicht tat. Stattdessen sei die Zahlung rückgebucht worden. Ob der eingereichte Artikel einen Preis bekommt, wird am 15. April bekanntgegeben. (ds)