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Kanada verbietet SIM-Locks

Kanada verbietet den Verkauf von Handys mit SIM-Lock. Bereits verkaufte Geräte müssen bald gebührenfrei entsperrt werden. Eine Steuer auf Internetanschlüsse hat der Premierminister im Ansatz erstickt.

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SIM-Lock-Dialogfenster

Kanadische Verbraucher erhalten den Code, soweit erforderlich, bald gratis.

(Bild: Kai Hendry CC-BY 2.0 (Ausschnitt))

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Logo der Regulierungsbehörde Canadian Radio-television and Telecommunications Commission (CRTC)

Ab 1. Dezember dürfen kanadische Mobilfunkanbieter Endgeräte nur noch ohne SIM-Lock verkaufen. Handys, Mobilfunkmodems, Tablets und dergleichen müssen dann mit beliebigen kompatiblen SIM-Karten funktionieren. Das hat die Telecom-Regulierungsbehörde der Monarchie, CRTC, am Donnerstag verfügt (CRTC 2017-200). Mit dem Verbot von SIM-Locks soll der in Kanada nur schwach ausgeprägte Mobilfunk-Wettbewerb angekurbelt werden. Erklärtes Ziel der Regierung ist, die im internationalen Vergleich ausnehmend hohen Tarife zu senken.

Wie die CRTC heise online bestätigte, werden die Mobilfunker des Landes auch von ihnen bereits in der Vergangenheit verkaufte Geräte kostenfrei entsperren müssen. Von den neuen Bedingungen profitieren alle Verbraucher und kleinen Unternehmen, die eine Entsperrung wünschen. Im Verkehr mit Großkunden dürfen Mobilfunkanbieter weiterhin SIM-Locks aushandeln.

Früher hatten sich manche Anbieter überhaupt geweigert, die von Kunden gekauften und bezahlten Geräte für andere Netze freizugeben. Ende 2013 wurden die kanadischen Mobilfunker dazu verpflichtet, auf Kundenwunsch SIM-Locks aufzuheben. Die Anbieter verlangen für die Entsperrcodes typischerweise 50 Dollar netto (etwa 34 Euro), was ihnen letztes Jahr in Summe fast 38 Millionen kanadische Dollar (gut 25 Millionen Euro) eingebracht haben soll. In einem halben Jahr wird diese Geldquelle versiegen.

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Premierminister Justin Trudeau hat ebenfalls am Donnerstag Forderungen nach einer Steuer auf Breitband-Internetzugänge eine Absage erteilt. Der Kulturerbe-Ausschuss des Unterhauses des kanadischen Parlaments hatte eine Steuer in Höhe von fünf Prozent vorgeschlagen. Die Einnahmen sollten zur Subvention kanadischer TV- und Videospielproduktionen verwendet werden.

Zu diesem Zweck wird bereits eine Abgabe auf Kabel-TV-Anschlüsse eingehoben, doch geht die Zahl der Abonnenten zurück. Trudeau ist trotzdem gegen eine Internetsteuer und begründete seine Ablehnung mit dem Wahlversprechen seiner Liberalen Partei, Bezieher mittlerer Einkommen zu entlasten. (ds)