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Karriereplanung: Flexibel, statt stur nach oben

Statt klassischer Karriereleiter führen heute viel mehr Wege zu neuen Zielen. Dass die Loyalität auf beiden Seiten nachlässt, hilft mitunter sogar.

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Karriere kann man nicht erzwingen, aber man kann sie begünstigen, indem zum richtigen Zeitpunkt die notwendigen Wechsel kommen. "Wir müssen uns lösen vom Denken in Karriereleitern, hin zu Klettergerüsten, wie sie heute auf Spielplätzen für Kinder stehen“, sagt Anne von Fallois von der Personalberatung Kienbaum.

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Häufig sind diese Kletternetze in Form einer Pyramide. Unten breit, nach oben hin spitz zulaufend. Man kann nach links oder rechts klettern, rauf oder runter. Kein Weg ist vorgegeben, den wählt der Kletterer selbst. "Diese Kletternetze für Kinder sind ein treffendes Bild dafür, wie Karrieren heute verlaufen“, sagt die Karriereberaterin. Die Zeiten der Leitern, auf denen es nur rauf oder runter ging, sind vorbei. Auf den Spielplätzen und im Arbeitsleben ist es heute abenteuerlicher und abwechslungsreicher geworden.

Anne von Fallois hat als Referentin im Bundespräsidialamt angefangen. Knapp 20 Jahre war sie dort und hat in dieser Zeit einige Male die Stelle gewechselt. Sie ging nach links und als sie ins Bundespräsidialamt zurückkam, ging es eine Stufe nach oben. Sie ging nach rechts, kam wieder zurück und wurde Leiterin der Inlandsabteilung und hat in dieser Funktion mehrere Bundespräsidenten gesellschaftspolitisch beraten.

Seit 2014 ist sie bei Kienbaum und heute Leiterin des Hauptstadtbüros. Von Fallois hat festgestellt: "Arbeitgeber erwarten von ihren Mitarbeitenden Agilität, Neugier und die Bereitschaft zum Lernen und zur Veränderung." Ob man bleibt, geht und vielleicht zurückkommt, sei weniger entscheidend für eine erfolgreiche Karriere. Der richtige Zeitpunkt für eine berufliche Veränderung ist für von Fallois dann gekommen, wenn man etwas Großes geschafft hat, etwa ein wichtiges Projekt erfolgreich abgeschlossen hat und der nächste Schritt ansteht. "Dann sind Wechsel im Lebenslauf vertretbar und begründbar.“ Wechsel, die wie Flucht erscheinen und nicht erklärbar sind, sind problematisch.

Ob der Wechsel dann intern oder extern stattfindet, liegt vor allem an der Größe des Unternehmens: große Organisationen bieten eher die Möglichkeit sich zu entwickeln als kleine. Entscheidend sind die Ziele, die mit dem Wechsel verbunden sind: will man raus aus der Linienfunktion und hinein in eine Führungsaufgabe oder in einen anderen Arbeitskontext, etwa für einige Zeit ins Ausland, vielleicht in eine Querfunktion als Projektleiter? Die Antwort darauf ist immer situativ. "Die nächste Stufe soll einen wachsen lassen“, sagt von Falloise. Erfahrung bringt zwar jeder Wechsel, aber nicht jede Erfahrung bringt einen weiter.

"Wir beobachten, dass in jungen Jahren der Wunsch zu wechseln deutlich ausgeprägter ist, als später“, sagt Christian Lorenz, Leiter des Hauptstadtbüros der Deutschen Gesellschaft für Personalführung in Berlin. Personaler würden erwarten, dass Mitarbeiter hin und wieder den Arbeitsplatz wechseln. "Das bringt Erfahrung und neue Perspektiven.“ Die Gesellschaft stellt zudem fest, dass Personalverantwortlich darauf Wert legen, dass Mitarbeiter auch angrenzende Abteilungen zu ihrem eigenen Spezialgebiet kennen lernen, also Entwickler einige Zeit im Vertrieb arbeiten, um fachlich breiter aufgestellt zu sein.

"Auf Führungspositionen werden zunehmend mehr allgemeine Kompetenzen und weniger spezielles Fachwissen erwartet, was schnell veraltet“, sagt Lorenz. Die wichtigsten sind Team-, Organisations- und Kommunikationsfähigkeiten. Sich darin zu stärken, kann ein guter Grund für einen Wechsel nach links oder rechts sein, um anschließend nach oben zu klettern.

Bei einem erzwungenen Wechsel ist die Verhandlungsposition eine schlechte. Dieser Fall trifft ein, wenn man gehen muss, weil das Unternehmen Stellen abbaut. Im anderen Fall kann man mit einem Wechsel einen Gehaltssprung machen, hierarchisch aufsteigen oder eine Veränderungsanpassung, weil die andere Position besser zur neuen Lebenssituation passt. "Menschen richten ihren Job zunehmend mehr auf ihre aktuelle Lebensphase aus“, sagt Lorenz. Dabei geht es dann nicht nur um den Aufstieg, sondern vor allem um eine Verbesserung der Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit. Chancen dafür gibt es genug, denn der Arbeitsmarkt lässt Wechsel zu, Mitarbeiter sind gesucht. Mit den Alternativen sinkt die Loyalität auf beiden Seiten.

In den letzten Jahren waren vor allem die Firmen untreu, stets standen die Margen im Vordergrund. "Es war abzusehen, dass die Loyalität der Beschäftigten sinkt, wenn sich Treue nicht auszahlt“, sagt Reinhard Scharff, Geschäftsführer der Stuttgarter Personalberatung Die Stellenbesetzer. "Die Synthese daraus ist, dass untreue Unternehmen zur Regel werden und auf untreue Arbeitnehmer treffen, bei denen es darauf ankommt, ob ihr Wissen und ihre Arbeitsinhalte gerade gebraucht werden oder nicht“, sagt Scharff. Wenn dem so ist, dann werden sie ihre Chance ergreifen und gnadenlos gehen. Wenig emotional könnte man solche Situationen auch Win-Win nennen. Von Dauer werden sie eher nicht sein.

Scharff empfiehlt, alle zwei bis drei Jahre die berufliche Situation zu überdenken, pro und contra für einen Verbleib oder Wechsel abzuwägen und dann den Finger zu heben, wenn es intern ein interessantes Angebot gibt. Klappt das nicht, dann sollte man sich extern bewerben. "Der externe ist der schwierigere Wechsel, weil er mit mehr Risiko verbunden ist und alles neu.“. Dennoch ist dieser Schritt von Zeit zu Zeit notwendig. Wer zu lange im selben Unternehmen ist, wird als verkrustet und altbacken mit altem Wissen behaftet und scheel angeschaut, wenn man schließlich nach 15 Jahren wechseln will. "Das ist zu spät und war zu lange.“ In den Fällen hat die gute alte Komfortzone die Karriere verbaut.

Die erste Stelle sollte man nach Meinung von Scharff mindestens drei bis fünf Jahre behalten, anschließend maximal alle fünf bis sieben Jahre wechseln, eventuell ein- bis zweimal davon nach drei Jahren. "Diese Schritte sind optimal für die Karriere und das Einkommen.“ Personaler wissen das und fürchten sich einerseits davor, brauchen diese Menschen aber, weil sie sonst ihre Stellen nicht besetzen können. (axk)