TV und Streaming: Kartellamt stellt Wettbewerb bei Bundesliga-Übertragung sicher

Bei der Vergabe der Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesligen muss die DFL sicherstellen, dass nicht nur ein Anbieter zum Zug kommt.

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(Bild: Csaba Peterdi/Shutterstock.com)

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Nach Zugeständnissen des Ligaverbands hat das Bundeskartellamt das Vermarktungsmodell der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die Spiele der 1. und 2. Bundesliga ab der Saison 2021/22 genehmigt. "Für uns war wichtig, dass nicht ein Bieter allein alle Live-Rechte exklusiv erwerben kann, der dann als Monopolist dem Zuschauer gegenübersteht", erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. Dem sollen Selbstverpflichtungen der DFL entgegenwirken, die das Bundeskartellamt am Freitag für rechtsverbindlich erklärt hat.

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Die DFL plant, die Übertragungsrechte für die zwei Bundesligen in vier Paketen meistbietend zu versteigern. Es gibt je ein Rechtepaket für die Spiele am Samstagnachmittag, die Topspiele am Samstagabend, die Freitags- und Sonntagsspiele sowie ein Paket für die Samstagskonferenz. Die zu erwerbenden Rechte gelten dabei jeweils für alle Übertragungswege (Satellit, Kabel, Internet).

Das Bundeskartellamt will sicherstellen, dass nicht ein Anbieter die Rechte an allen Spielen exklusiv erhält und es Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern gibt. "Ein einziger mit exklusiven Rechten ausgestatteter Anbieter hätte nämlich kaum Anreize, die Qualität der Berichterstattung zu verbessern, die Preise stabil zu halten und das Innovationspotenzial insbesondere des Internets auszuschöpfen", erklärte Mundt. "Bereits in der laufenden Rechteperiode hat der zunehmende Wettbewerb zu neuen Produktangeboten sowohl von neuen als auch von etablierten Anbietern geführt."

Der Ausgang der Auktion ist noch nicht abzusehen. In den neuen Streaming-Anbietern ist dem Bundesliga-Platzhirsch Sky eine neue, finanzstarke Konkurrenz erwachsen. Der Pay-TV-Veteran musste die Rechte für die Champions League ab 2021 den Streamern Dazn und Amazon überlassen. Auch die Telekom mischt im Sportgeschäft mit und hat sich die Rechte für die Fußball-Europameisterschaft 2024 gesichert.

Wie die DFL die Vorgabe der Kartellwächter erfüllt, bleibt ihr überlassen. Das Kartellamt verweist darauf, das verschiedene Szenarien möglich seien, die auch vom Ausgang der Auktion abhängen. Sollte aber ein Anbieter alle vier Pakete ersteigern, muss die DFL wohl zwei davon auch an einen andere Plattform lizenzieren. Wenn also Sky alle vier Pakete kauft, muss auch ein Streaming-Anbieter zum Zug kommen.

Der erklärte Wille der Wettbewerbshüter ist: "Es soll im Ergebnis mehr als einen Anbieter geben, der Fußballspiele überträgt." Das müsse aber nicht zwingend bedeuten, dass Sportfans mehrere Abos abschließen müssten. Das Kartellamt sieht verschiedene Möglichkeiten, "wie die DFL den kartellrechtlichen Anforderungen des Amtes nachkommen kann, ohne dass der Zuschauer auf verschiedene Abos angewiesen ist". Die Vergabebedingungen sollten also genügend Spielraum lassen, dass sich die Anbieter die Spiele untereinander weiterlizenzieren.

Insgesamt erhält die Bundesliga jährlich knapp 1,2 Milliarden Euro aus der Fernsehvermarktung. Sky zahlt derzeit rund 900 Millionen pro Saison für die Bundesliga-Rechte. Die Münchner hat bei der letzten Vergabe die Samstags- und Sonntagsspiele gekauft. Ein wesentlich kleineres Paket mit den Spielen am Freitag und Montag hatte sich zunächst Eurosport gesichert, die Rechte dann aber an Dazn weitergereicht. Ab der Saison 2021 wird es keine Montagsspiele mehr geben. (vbr)