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Kasparow vs. Deep Blue: Mensch unterliegt Maschine

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Schachweltmeister Garry Kasparow hat das Duell gegen IBMs Parallelrechner Deep Blue (c't 11/96, S. 334) mit 2,5 gegen 3,5 verloren. Zum ersten Mal triumphierte Silizium über einen Großmeister dieser Spielstärke. Noch vor einem Jahr hatte Kasparow mit 4:2 gesiegt und mutig behauptet, vor der Jahrtausendwende werde ihn kein Computer schlagen.

Auf die Revanche, die gerade in New York zu Ende ging, bereiteten sich die IBM-Entwickler besser vor denn je: Deep Blue bekam weitere Parallel-Prozessoren implantiert und wurde von 67 auf 130 MHz hochgetaktet - bis zu 200 Millionen Positionen pro Sekunde kann das System auf Grundlage einer IBM RS/6000 SP nun durchrechnen. Der US-Großmeister und Kasparow-Kenner Joel Benjamin trainierte über Monate mit der Maschine; die Programmierer stockten die Spieldatenbank um alle wichtigen Partien auf, die jemals gespielt wurden. Kasparow schimpfte auf der anschließenden Pressekonferenz: "Mit Wissenschaft hat das nichts zu tun, diese Maschine wurde ausschließlich mit der Motivation weiterentwickelt, mich zu schlagen." Doch auch der Weltmeister kommt längst nicht mehr ohne Computer aus; er bereitet sich - nicht nur auf Partien gegen Deep Blue - mit dem Hamburger Schachprogramm "Fritz" vor.

Details des imagefördernden Schaukampfes veröffentlicht IBM unter http://www.chess.ibm.com/. Der Server war bisweilen hoffnungslos überlastet; IBM will alleine am Dienstag während des Matches 22 Millionen Hits gezählt haben. Viele schachbegeisterte Anwender blieben außen vor; andere beschwerten sich über das anfangs mangelhaft programmierte Java-Applet, das die Züge der einzelnen Partien grafisch nachvollzieht.

Mehr über Schachcomputer demnächst in c't. (se)

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