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Kassenärzte gegen Gesundheitskarte

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Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat sich gegen die elektronische Gesundheitskarte (eGK) in ihrer bisherigen Form ausgesprochen. Sie werde nicht länger in der Projektgesellschaft Gematik mitarbeiten, wenn nur die Interessen der gesetzlichen Krankenkassen berücksichtigt werden. Notfalls werde der Verband auch die Auflösung der Gematik fordern, heißt es in dem Beschluss der Delegiertenversammlung.

Die Kritik der Kassenärzte entzündete sich am Stammdatenmanagement, das ihrer Ansicht nach Aufgabe der Krankenkassen ist. Gegen diese den Ärzten zufallende Arbeit der quartalsmäßigen Prüfung, ob die eGK noch die korrekten Daten gespeichert hat, hatte sich bereits die Vertreterversammlung der nordrheinischen Kassenärzte einstimmig ausgesprochen. "Die Aktualisierung der Versichertenstammdaten ist und bleibt eine Verwaltungsaufgabe der gesetzlichen Krankenkassen", erklärte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Köhler. Die Kassenärzte schlagen eKioske in den Filialen der Krankenkassen vor, an denen Versicherte ihre Karten selbst verwalten können. Zumindest die AOK scheint ein entsprechendes System zu planen.

Gegen den Beschluss der Kassenärzte weist die Gematik darauf hin, dass die Interessen aller Ärzte weiterhin gewahrt blieben. Neben der Online-Anbindung des Praxissystems gebe es ein "Standalone-Szenario", bei dem die Gesundheitskarte an einem separaten Terminal in der Arztpraxis so online aktualisiert werde, dass kein Rückschluss auf den Arzt möglich sei. Überdies sei die Datenaktualisierung ein kurzer Prozess, für den es klare Vorgaben gebe: "So muss der allergrößte Teil der Online-Aktualisierungsfälle innerhalb von weniger als 13 Sekunden erfolgt sein. Bei einem unwahrscheinlichen eventuellen Ausfall der Fachdienste bzw. bei Überschreiten einer maximalen Bearbeitungszeit von 30 Sekunden wird vom System automatisch für Arzt und Versicherten eine erfolgreiche Überprüfung angenommen."

Die Gematik weist auch darauf hin, dass die Versicherten mit der aktuellen Gesundheitskarte kurz gehalten werden. Die Versicherten sollen zwar ihre Echt-PIN per Post bekommen, aber erst in ferner Zukunft. "Da es derzeit noch keine Anwendungen gibt, für die eine PIN erforderlich ist, wird das Echt-PIN-Verfahren nicht bei der Erprobung des Online-Rollout (Stufe 1) – also der Aktualisierung der Versichertenstammdaten und der Basisfunktionalität der qualifizierten elektronischen Signatur – getestet." Dass Versicherte als mündige Bürger die auf der eGK gespeicherte fortgeschrittene Signatur schon jetzt nutzen könnten, kommt den Gematik-Vertretern nicht in den Sinn. (anw)