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Kein Crossplay für Fortnite und Fallout 76: Warum Sony die PS4 isoliert

Die Fallbeispiele Fallout 76 und Fortnite zeigen, wie Sony mit Crossplay-Verweigerung den eigenen Spielern schadet. Doch hinter der Blockade steckt Kalkül.

Kein Crossplay für Fortnite und Fallout 76: Warum Sony die PS4 isoliert

(Bild: Sony)

Crossplay, das Zusammenspielen von Nutzern verschiedener Konsolen, bedeutet gut gefüllte Server, schnelleres Matchmaking – und die Möglichkeit, auch mit dem Kumpel zu zocken, der sich für ein anderes System entschieden hat. Für Spieler hat das Crossplay zumindest zwischen den Gamepad-Konsolen Xbox und Playstation eigentlich nur Vorteile. Dagegen spricht in erster Linie Politik. Gerade Sony sieht die eigene Plattform gern als Insel der Glückseligkeit, auf der man die coolsten Apps, die besten Deals und natürlich die tollsten Exklusivspiele bekommt. Nun zieht Sony mit besonders dreistem Gaming-Isolationismus den Groll der eigenen Inselbewohner auf sich.

Fortnite: Battle Royale ist das momentan angesagteste Spiel des Planeten, auf der E3 wurde es auch für die Nintendo Switch (ab 298,90 €) angekündigt. Der Battle-Royale-Shooter passt auf Nintendos Hybrid-Konsole wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Dumm nur: Wer auch nur einmal auf der Playstation 4 gespielt hat, kann seinen Account nicht mehr auf einer anderen Konsole verwenden. Ist der Fortnite-Account erst einmal mit dem PSN-Konto gekoppelt, kann man ihn weder auf der Switch noch auf der Xbox One nutzen. Zahlreiche Spieler kritisieren unter anderem auf Reddit, dass Sony den Fortnite-Account somit praktisch in Geiselhaft nehme.

Den Betroffenen bleibt letztlich nichts übrig, als für die Switch ein neues Konto zu erstellen. Alle freigeschalteten Gegenstände und Errungenschaften sind dann futsch. Da ist es ein schwacher Trost, dass die PS4-Version von Fortnite zumindest mit PC, Mac und den Mobilversionen kompatibel ist. Für Sony war das ein PR-Debakel, für Microsoft eine Steilvorlage. Xbox-Besitzer können ihren Account nämlich ganz problemlos auch auf der Switch verwenden.

Auch bei Fallout 76, einem kommenden Online-Shooter von Bethesda, macht Sony den Crossplay-Bemühungen des Entwicklers einen Strich durch die Rechnung. Man würde es den Spielern ja gerne erlauben, über die Konsolen übergreifend zu spielen, sagt Bethesda-Galionsfigur Todd Howard im Gamestar-Interview. Sony sei dabei aber "nicht so hilfsbereit, wie das alle gerne hätten". Diese Blockadehaltung sei auch für die Entwickler nervig. So köcheln Xbox One (ab 428 €) und Playstation 4 also gezwungenermaßen ihr eigenes Fallout-Süppchen. Bei Minecraft und Rocket League schiebt Sony dem Crossplay zwischen PS4 und Xbox One ebenfalls den Riegel vor.

Sony agiert aus einer Position der Stärke. Laut dem Marktforschungsunternehmen VGChartz wurde die PS4 knapp 80 Millionen Mal verkauft, die Xbox One erreicht mit 37 Millionen verkauften Exemplaren nicht einmal die Hälfte (Stand Mai 2018). Das hat Sony unter anderem den deutlichen stärkeren Exklusivtiteln zu verdanken. Die Japaner wissen um ihre Vormacht auf dem Konsolenmarkt – und wollen sie zementieren. Die Spieler sollen im eigenen Ökosystem gehalten werden und am besten gar nicht auf die Idee kommen, möglicherweise doch mal auf einer anderen Konsole zu spielen.

So kann man das natürlich nicht kommunizieren, also wird Sony kreativ. Man müsse ja auch an die Kinder denken, erklärte Playstation-Marketingchef Jim Ryan vergangenes Jahr im Gespräch mit Eurogamer: "Die Demografie von Minecraft beispielsweise ist zum Teil sehr jung. Wir haben einen Vertrag mit diesen Leuten, die bei uns online gehen, und wir müssen auf sie aufpassen, indem wir sie in unserem kuratierten Playstation-Universum halten." Kinder externen Einflüssen auszusetzen sei nun mal gefährlich.

In jedem Fall gebe es bei Sony keine firmeninterne Philosophie, die gegen Crossplay spricht, führte Ryan im Interview noch aus. Das wiederum ist glaubhaft. Es geht vielmehr um eine simple Rechnung. Wer die größere Spielerbasis hat, kann sie vergleichsweise leicht weiter aufbauen. Wenn die Freunde schon auf der Playstation zocken, müssen sich Konsolen-Neulinge eben auch das Sony-System zulegen, um mit ihnen zusammen spielen zu können. Mit Crossplay würde für solche Neukäufer plötzlich auch die Xbox zur Option. Um das zu verhindern, nimmt Sony eine Politik in Kauf, die im Kern vor allem den eigenen Nutzern schadet. "For the players", wie es auf den Playstation-Verpackungen geschrieben steht, ist das nicht.

Für die Spieler? PS4-Käufer sind bei Sonys Isolations-Strategie die Benachteiligten.

(Bild: Sony)

Ob Microsoft es in der Situation aber anders machen würde, ist fraglich. Aus der aktuell schwächeren Position tut das Unternehmen alles dafür, plattformübergreifendes Spielen zu ermöglichen. Schon 2016 legte sich Microsoft in einem Blog-Eintrag darauf fest, die Mauern zwischen Xbox und Playstation einreißen zu wollen. Das ist sympathisch, im Grunde aber das gleiche Profit-Kalkül, das Marktführer Sony zur gegenteiligen Strategie führt.

Ein Blick zurück: Das Duell zwischen Xbox 360 und Playstation 3 war deutlich knapper als das Rennen der aktuellen Konsolengeneration, lange hatte die Xbox sogar die Nase vorn. Ein Bestreben, die Grenzen zwischen den Konsolen fallen zu lassen – aus Liebe zum Spieler, versteht sich – war damals auch von Microsoft nicht zu erkennen. (dahe)

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