Kein Geburtstagsgeschenk: OpenOffice 2.0 verzögert sich noch einmal [Update]

Eigentlich wollte das Projektteam zum heutigen fünften Geburtstag Version 2.0 des Open-Source-Officepakets für Windows, Linux und Solaris freigeben, doch trotz aller Vorbereitungen wurde nichts daraus.

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Von
  • Dieter Brors

Eigentlich wollte das Projektteam am heutigen fünften Geburtstag Version 2.0 des Open-Source-Officepakets für Windows, Linux und Solaris freigeben. Nach letzten Tests des Release Candidate 2 (RC2) waren bereits fast alle Vorbereitungen abgeschlossen. Auch in der zur Kommunikation untereinander zuständigen Releases-Mailingliste war von Problemen, die eine Veröffentlichung der Version hätten im Wege stehen können, nicht die Rede: "Sure, got no complaints about rc2 which are significant", hieß es dort noch am gestrigen Mittwochnachmittag mitteleuropäischer Zeit.

Zu jener Zeit hatte die weitgehend aus Sun-Entwicklern bestehende Projektleitung aber längst beschlossen, einen dritten Release Candidate einzuschieben. In einem internen Chat begründete Sun-Mitarbeiter Martin Hollmichel dies mit einem schon seit längerem bekannten Fehler im Präsentationsmodul Impress, dessen Bedeutung man aber bisher unterschätzt habe. Das Entwicklerteam habe sich daher in letzter Minute entschlossen, ihn von der bisherigen niedrigen Priorität zum "Showstopper" hochzuklassifizeren. Dieser laut Projektteam nun als gravierend eingestufte Fehler bewirkt, dass Impress unter bestimmten Bedingungen Grafiken nicht korrekt im eigenen OpenDocument-Format speichert. Eine Lösung des Problems sei aber bereits gefunden, hieß es im Chat. Wie Sun-Mitarbeiter Stefan Taxhet in seinem Weblog berichtet, habe man gleichzeitig die Gelegenheit dazu genutzt, ein paar weitere Fehler zu korrigieren. Nach abschließenden Tests mit dem RC3 sei in etwa einer Woche mit der Freigabe der fertigen Version zu rechnen.

Dieser plötzlich so wichtige Fehler war den Sun-Entwicklern anscheinend genau zum passenden Zeitpunkt aufgefallen. Ursprünglich war nämlich geplant, OpenOffice 2.0 mit deutlichem zeitlichen Abstand zu der kommerziellen Variante StarOffice 8 herauszubringen. Doch schon diese hatte sich mehrfach verzögert, sodass sich der Abstand zwischen beiden Veröffentlichungsterminen drastisch reduziert hätte. Ein OpenOffice-Community-Mitglied äußerte gegenüber heise online die Vermutung, die Projektleitung habe diesen angeblich gravierenden Fehler nun nur vorgeschoben, um zusätzlich Zeit zu schinden. Die Macht dazu besitzt Sun allemal, denn mit der Hamburger Entwicklungsabteilung, die fast allein am Code arbeitet, und den meisten Leitungspositionen sitzt die Firma an allen relevanten Hebeln im Open-Source-Projekt, um dieses fast beliebig zu steuern.

Dass der Fehler nicht unbedingt so gravierend ist, dass er ein erneutes Überarbeiten des längst eingefrorenen Code rechtfertigte, zeigt auch ein Vergleichstest anhand des Release Candidate 2 mit Microsoft Office 2003, der in c't 22/05 erscheinen wird (ab Montag, den 17. Oktober erhältlich): Dort spielte er in den Tests für die normale Arbeit keine Rolle; OpenOffice 2.0 konnte die Aufgaben genau so gut wie Microsoft Office lösen, zum Teil sogar besser.

Trotz der nicht gerade erfreulichen Nachricht über die erneute Verschiebung von OpenOffice 2.0: Liebes Projektteam, herzlichen Glückwunsch zum fünften Geburtstag!

[Update]:
Um Missverständnissen vorzubeugen, stellen die Entwickler im Bugreport jetzt klar, dass der Fehler im Dateiformat bereits vor Erstellen der finalen StarOffice-8-Version behoben wurde und erst danach wieder in OpenOffice auftauchte. Die kommerzielle StarOffice-Variante sei daher nicht von dem Problem betroffen. Außerdem wiedersprach Sun-Mitarbeiter Hollmichel in einer E-Mail an heise online der Vermutung, den RC3 mutwillig provoziert zu haben. Vielmehr sei er persönlich sehr unglücklich über diesen weiteren RC. (db)