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Kein Gehalt: Englische Crytek-Mitarbeiter legen Arbeit nieder

Das Entwicklerstudio Crytek scheint in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten zu stecken. Berichten zufolge kommt Gehalt verspätet oder nicht in vollem Umfang. Nun legen erste Mitarbeiter die Arbeit aus Protest nieder.

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Finanzielle Schwierigkeiten bei Crytek: Im englischen Studio sollen zahlreiche Mitarbeiter aus Protest die Arbeit niedergelegt haben.

(Bild: Crytek)

Offenbar haben zahlreiche Mitarbeiter der britischen Niederlassung des Spieleentwicklers Crytek die Arbeit niedergelegt. Dies berichtet die Webseite Kotaku.com. Dem Bericht zufolge sollen die Beschäftigten nur einen Teil ihres Gehalts erhalten haben. Der britische Crytek-Ableger entwickelt unter anderem das im Juni angekündigte Action-Spiel Homefront The Revolution. Eine Quelle von Kotaku schätzt, dass ungefähr 100 Leute die Arbeit niedergelegt haben. Gerüchten zufolge hoffen die Mitarbeiter nun auf eine Übernahme durch den Publisher Deep Silver, der sich derzeit mit Crytek in Verhandlungen befinden soll.

Bereits in den vergangenen Wochen mehrten sich Berichte, nach denen sich die gesamte Firma Crytek in finanziellen Schwierigkeiten befindet. Laut einem Gamestar-Artikel stand Crytek im April sogar kurz vor einer Insolvenz, auch von verspäteten Gehaltszahlungen war die Rede. Crytek dementierte Ende Juni die publizierten Informationen und bezeichnete sie als Gerüchte, äußerte sich aber auch auf unsere Anfrage hin nicht zu den derzeitigen Vorwürfen.

Die Crytek-Gründer Faruk, Cevat und Avni Yerli scheinen Medienberichten zufolge Probleme zu haben, ihre Mitarbeiter pünktlich und vollständig zu bezahlen.

(Bild: Crytek)

Laut Kotaku beschrieben einige namentlich nicht genannte Mitarbeiter und Ex-Beschäftigte eine gespannte Atmosphäre, die von schlechter Kommunikation und einigen hochrangigen Personalabgängen im englischen Studio und der Frankfurter Zentrale gekennzeichnet ist. So sollen innerhalb der vergangenen drei Monate mehr als 100 Mitarbeiter Crytek verlassen haben.

Kotakus Quellen gehen sogar noch weiter: So seien Mitarbeiter angewiesen worden, über Gehaltssachen ausschließlich persönlich zu sprechen; offenbar um mögliche E-Mail-Leaks zu vermeiden. Außerdem seien laut einer Quelle verspätete Gehaltsschecks bei Crytek bisher nicht ungewöhnlich gewesen. Auch eine Fortsetzung des mäßig erfolgreichen Xbox-One-Spiels Ryse soll Crytek komplett eingestellt haben.

Auf dem Job-Bewertungsportal Glassdoor erhält Crytek teils harsche Kritiken von Beschäftigten. So ist in einer Bewertung von Anfang Juni zu lesen: "The owners seem to have totally lost control of the whole thing. [...] In the past year, the communication became awfully terrible since the company is not successful anymore. [...] Sadly, if salaries would be delayed or worse, the lower employees would be the last ones to be informed."

So schön die Crytek-Spiele auch sind: Richtig erfolgreich waren sie nicht.

(Bild: Crytek)

Crytek ist vor allem für seine 3D-Engine CryEngine bekannt, die neben der Unreal Engine und Frostbite Engine zu den derzeit mächtigsten zählt und auch vom US-Militär benutzt wird. Weniger erfolgreich als offenbar erhofft sind aber die Spiele der vergangenen Jahre, etwa Crysis 2 und 3 oder Ryse, die von vielen Kritikern als nur mittelmäßig bewertet wurden.

Crytek unterhält neben der Zentrale in Frankfurt noch acht weitere Studios in Kiev, Budapest, Sofia, Seoul, Nottingham, Shanghai, Istanbul und Austin. Derzeit sollen rund 800 Mitarbeiter für Crytek arbeiten. (mfi)