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Kein erhöhtes Risiko für Fingerschmerzen durch Computerarbeit

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Arbeiten am Computer erhöht nicht das Risiko, am so genannten Karpaltunnelsyndrom (CTS) zu erkranken, das in den Händen ein Kribbeln und Taubheitsgefühl hervorruft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Neurologen Clarke Stevens von der Mayo-Klinik in Rochester (Minneapolis, USA), die jetzt in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht wurde.

Arbeitsmediziner gehen bislang davon aus, dass die monotonen, sich ständig wiederholenden Bewegungsabläufe an Tastatur und Maus dazu führen können, dass die Sehnen in der Hand durch die Überbeanspruchung anschwellen und dabei den mittleren Handnerv beim Durchtritt durch den Karpaltunnel in die Hohlhand einengen. Das macht sich durch Missempfindungen wie Kribbeln, Prickeln oder Taubheitsgefühl in der Hand bemerkbar.

Das Karpaltunnelsyndrom gilt als eines der typischen Symptome von Repetitive Strain Injury (RSI). Arbeitsmediziner schätzen, dass ab 80.000 Tastaturanschlägen pro Tag die Gefahr für RSI besteht. Das chronische Krankheitsbild, an dem in Großbritannien im Jahr 200.000 Personen erkranken, gilt quasi als Tennisarm der Bildschirmarbeiter. Gerade Kinder, die einfach ungeschult an den Rechner gesetzt werden, sind nach Ansicht des Experten durch RSI bedroht.

In seiner Studie untersuchte Stevens 257 Angestellte an der Mayo-Klinik in Scottsdale (Arizona, USA), die regelmäßig mit dem Computer arbeiten. Die Angestellten, darunter auch Sekretärinnen und Datentypistinnen, saßen täglich im Durchschnitt sechs Stunden am Computer, hatten ähnliche Tätigkeiten und arbeiteten schon eine vergleichbare Anzahl von Jahren vor dem PC.

30 Prozent aller Studienteilnehmer gaben an, bereits schon einmal unter Prickeln oder Taubheitsgefühlen in der Hand gelitten zu haben. Um festzustellen, wer die medizinischen Kriterien eines Karpaltunnelsyndroms erfüllt, musste diese Gruppe einen Fragebogen zu den typischen Symptomen des Krankheitsbildes ausfüllen und in ein Diagramm einzeichnen, an welcher Stelle der Hände sie auftreten. Nur 27 Studienteilnehmer (10,5 Prozent) entsprachen den klinischen Kriterien. Der Rest der Gruppe litt zwar auch unter Schmerzen, diese waren aber dann nur von kurzer Dauer und milder Ausprägung. Die ausgesuchten 27 Studienteilnehmer wurden anschließend zur Bestätigung der Diagnose einer speziellen neurologischen Untersuchung unterzogen.

"Diese Prozentzahl entspricht in etwa der Verbreitung des Syndroms in der gesamten Bevölkerung", setzt Stevens seine Ergebnisse in Relation. "Unsere Untersuchung liefert keinerlei Hinweise darauf, dass die Computernutzung die Ausbildung eines Karpaltunnelsyndroms herbeiführt." Allerdings sollten seine Ergebnisse nicht dahingehend interpretiert werden, dass sich ständig wiederholende Bewegungsabläufe am Computer nicht doch zu Problemen führen könnten. Umfangreichere Studien zu dieser Frage seien daher nötig.

Der CTS-Experte Hardo Sorgatz vom Institut für Psychologie der Technischen Universität Darmstadt ist bezüglich der Stevens-Studie jedoch eher skeptisch. Die Intersuchung beweise lediglich, dass es Betriebe gebe, in denen die CTS-Häufigkeit nicht größer sei, als in der Normalbevölkerung. "Sie beweist also eigentlich gar nichts und ist im Vergleich zu sehr vielen Studien zu sehen, die einen Zusammenhang zwischen dem Karpaltunnelsyndrom und der PC-Tätigkeit beschreiben", so Sorgatz gegenüber heise online. (Andreas Grote) / (wst)