Keine Smartphones, Tablets, PCs und Notebooks von HP mehr

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Etwas vage formuliert HP in einer Pressemeldung den bevorstehenden radikalen Konzernumbau: Bezüglich der PSG-Sparte, die für Notebooks und Desktop-PCs verantwortlich ist, erwäge man zahlreiche Optionen, wozu vielleicht unter anderem die komplette oder teilweise Ausgliederung gehöre. Zudem plane HP anzukündigen, die WebOS-Geräte einzustellen, speziell also das Touchpad und die Pre-Smartphones wie das gerade erst erhältliche Pre3. [Update: In der Mitteilung zu den Bilanzen für das dritte Geschäftsquartal heißt es dazu dann in aller Deutlichkeit: "HP wird die Aktivitäten für WebOS-Geräte, namentlich für das Touchpad und für WebOS-Smartphones, einstellen. Die Geräte haben die intern gesetzten Ziele, auch in finanzieller Hinsicht, nicht erreicht."] Darüber hinaus wolle man den britischen Software- und Cloud-Spezialisten Autonomy kaufen – laut Medienberichten für 10 Milliarden US-Dollar.

HP könne seine PC-Sparte vor dem Verkauf ja "Compaq" nennen, spottet Michael Dell, Chef eines der größten Konkurrenten von HP auf Google+. Er spielt damit darauf an, dass HP den damaligen Konkurrenten Compaq 2002 für 18,6 Milliarden US-Dollar übernommen hatte. Die Übernahme von Palm hatte HP sich voriges Jahr 1,2 Milliarden US-Dollar kosten lassen und war so an WebOS gekommen. In beiden Bereichen sieht HP offensichtlich keine Zukunft mehr, obwohl die PSG-Sparte immerhin der größte PC- und Notebook-Hersteller der Welt ist und Gewinne einfährt. Der Rückgang der PC-Verkäufe hat HP mit nur sechs Prozent noch vergleichsweise mäßig getroffen, Asus muss beispielsweise 23 Prozent Verkaufszahlenschwund verkraften, Acer gar fast 45 Prozent.

Die Smartphones und Tablets verkaufen sich aber wohl weniger gut: Händler berichten von sehr geringen Verkäufen des Touchpad; auch die WebOS-Smartphones konnten bislang keinen nennenswerten Marktanteil ergattern. Vor allem gegenüber Smartphones mit Android oder iOS, aber auch die Tablets mit den Systemen von Google und Apple hatten die WebOS-Geräte bislang kaum punkten können.

Den gleichzeitig verkündeten vorläufigen Quartalszahlen zufolge geht es HP leidlich gut: Der Umsatz lag bei 31,2 Milliarden US-Dollar nur leicht über den 30,7 Milliarden im Vorjahresquartal. Der Gewinn pro Aktie steigt von 75 auf 93 US-Cent. Für das nächste Quartal prognostiziert HP zwar einen stabilen Umsatz, aber hohe Restrukturierungskosten, sodass der Gewinn pro Aktie auf rund 50 US-Cent fallen werde.

Diese Probleme hat HP-Chef Léo Apotheker schon bei der vorigen Quartalszahlen-Bekanntgabe angesprochen. Erst im Juni hatte er den Konzern etwas umgebaut – ein kleiner Schritt verglichen mit der jetzt verkündeten Trennung. Einen ähnlich radikalen Umbau hatte IBM 2004 durchgeführt, als der Konzern sein PC-Geschäft auf einen Schlag für 1,25 Milliarden US-Dollar komplett an Lenovo verkaufte. Ganz so radikal wäre der Wechsel von HP nicht: Vom Verkauf der Drucker-Sparte IPG oder der Server-Sparte Enterprise Business ist zumindest bislang noch keine Rede.

[Update: Dass HP jetzt die Notbremse zieht, liege daran, dass das Geschäft weitere Milliarden-Investitionen erfordert hätte, ohne Garantie, das Geld jemals wiederzusehen, erklärte Finanzchefin Cathy Lesjak. HP prüft aber noch, ob sich die Software lizenzieren oder verkaufen lässt.

Die Anleger jedenfalls waren zuletzt unzufrieden mit dem sinkenden Aktienkurs und schwachen Erträgen. Bereits mehrfach musste der Konzern die Prognosen für das Geschäftsjahr zurückschrauben. Mitte Mai hatte Apotheker in einem internen Schreiben vor einem "weiteren schwierigen Quartal" gewarnt und gemahnt, Ausgaben auf ein Minimum zu beschränken. Jetzt wurden die Prognosen erneut gekappt.

Mit den nun erfolgten Ankündigungen konnte HP die Anleger allerdings erst einmal nicht wirklich positiv stimmen: Als die Pläne noch vor US-Börsenschluss bestätigt wurden, ging die Aktie auf eine scharfe Talfahrt und verlor am Ende rund sechs Prozent. Nachbörslich kam ein weiteres Minus von knapp zehn Prozent dazu

Für die Probleme mit den WebOS-Geräten machte Konzernchef Apotheker nicht etwa mangelndes Interesse an Tablet-Computern verantwortlich: "Es gibt eine deutliche Tendenz im Bereich der Consumer-PCs. Der Tablet-Effekt ist Realität". Das Touchpad aber erreiche im Markt nicht genug Anteile. Und das PC-Geschäft von HP brauche die Flexibilität, seine eigenen Entscheidungen zu treffen..] (jow)