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Kenia: Wasser gegen M-Payment und RFID-Chip

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Der dänische Pumpenspezialist Grundfos hat über seine "New Business"-Tochter Lifelink mit dem Aufbau solarbetriebener Wasserstationen in Kenia begonnen. Einwohner des ostafrikanischen Landes sollen dort künftig sauberes Trinkwasser gegen Bezahlung erhalten, das aus Tiefen von bis zu 100 Metern gefördert und anschließend in großen Tanks gespeichert wird. Grundfos kooperiert bei dem Projekt, hinter dem eine komplexe IT-Infrastruktur steht, mit den lokalen Behörden sowie der kenianischen Mobilfunkfirma Safaricom, die das Handy-Bezahlsystem M-Pesa betreibt.

Grundfos-Wassertank mit Smartcard-Reader

Potenzielle Wasserkunden müssen über M-Pesa zunächst Geldbeträge von ihrem GSM-Handy auf ein Konto bei Safaricom anweisen, wo das Geld in sogenannte Wasser-Credits umgerechnet wird. Anschließend werden diese mit IDs versehenen Credits an einen zentralen Grundfos-Server in Dänemark weitergeleitet. Will der Kunde in Kenia nun sein vorab bezahltes Wasser in Anspruch nehmen, meldet er sich an der Wasserstation mit einer kleinen Smartcard an, die einen beschreibbaren RFID-Chip enthält. Ergibt eine per GPRS durchgeführte Serveranfrage, dass Wasser-Credits vorhanden sind, werden diese in den Chip eingelesen.

Zur Wasserentnahme präsentiert der Kunde seine Smartcard dem Lesegerät an der Zapfstation und es wird automatisch ein Abflussventil geöffnet. Wasser fließt so lange, bis die Smartcard entfernt wird – oder die Credits erschöpft sind. Die Energieversorgung des Systems erfolgt über Solarpanels, überwacht werden Betrieb und Nutzung per Remote Management von Dänemark aus. Die Einnahmen teilen sich Grundfos und die Gemeinde, die das System angeschafft hat. Zu Preisen wurden bislang allerdings keine Angaben gemacht. Bis Ende des Jahres sollen mindestens 20 Gemeinden in Kenia eine solche Pay-per-Use-Wasserstation erhalten.

Ziel der Maßnahme ist es den Angaben zufolge, die Grundversorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu gewährleisten und Machenschaften korrupter Politiker und Geschäftsleute in einem der ärmsten Länder der Erde zu unterbinden. Kenia ist nach einer langen Dürreperiode vor allem im Norden und Südosten ausgetrocknet und erlebt derzeit seine schwerste Versorgungskrise seit der Unabhängigkeit im Jahr 1963. Im Korruptions-Index von Transparency International, der 159 Länder auflistet, steht Kenia an 144. Stelle. Organisationen wie die Welthungerhilfe setzen unterdessen verstärkt auf Selbsthilfe der Gemeinden und stellen Geld für den Bau zusätzlicher Brunnen zur Verfügung – für dieses Wasser muss die Bevölkerung nicht bezahlen. (vbr)