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Technology Review

Kenia setzt auf Energie aus der Tiefe

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Im scheinbar unterentwickelten Kenia ist die Nutzung der Geothermie viel weiter fortgeschritten als in den meisten Industrienationen. Ab 2030 soll die Hitze aus der Tiefe mehr Strom für das Land liefern als jede andere Quelle, berichtet Technology Review in seiner aktuellen September-Ausgabe (ab Donnerstag am Kiosk oder ab sofort im heise Shop online zu bestellen). Bis 2030 soll die Geothermie-Leistung im Land mit Milliarden-Investitionen und unter anderem deutscher Hilfe auf annähernd fünf Gigawatt vervielfacht werden. Damit wollen die Kenianer gut ein Viertel ihres veranschlagten Strombedarfs decken.

In Kenia kann Hitze aus dem Erdinneren so leicht und in so großen Mengen angezapft werden wie fast nirgendwo sonst auf dem Globus. Möglich macht das die besondere Lage: Der ostafrikanische Küstenstaat liegt geologisch gesehen mitten auf dem Ostafrikanischen Graben, einem Riftsystem von rund 3500 Kilometern zwischen Äthiopien im Norden und Mosambik im Süden. So sind in Kenia teilweise schon in 900 Metern Tiefe mehr als 300 Grad heiße Wasserdampfreservoirs zu finden. Das sind fast ideale Bedingungen für die Stromerzeugung aus Geothermie.

Bereits in den fünfziger Jahren hatte die damalige britische Kolonialregierung mit Erkundungsbohrungen begonnen. Seit 1981 wird in Kenia tatsächlich Strom aus Geothermie produziert. Mit bislang insgesamt 198 MW liegt Kenia derzeit zwar weit hinter den führenden USA mit 3100 MW – aber immer noch deutlich vor Industrienationen wie Deutschland, in denen erst viel tiefere Bohrungen zu nutzbaren Wärmequellen führen. Hierzulande sind deshalb erst knapp sieben MW Geothermie-Strom am Netz – ein Anteil von nicht einmal einem Zehntel Promille an der deutschen Gesamtkapazität.

Hauptstandort für die Erzeugung geothermischen Stroms ist Olkarioa, nordwestlich von Nairobi, wo bislang drei Kraftwerke mit jeweils mehreren Blöcken angesiedelt sind. Mit seinen erprobt ergiebigen Dampfquellen soll der Standort jetzt noch weiter ausgebaut werden. Kosten werde das Ganze etwa eine Milliarde Euro, zum Teil finanziert von einem Konsortium aus Weltbank, Europäischer Investitionsbank, Französischer Entwicklungsbank, Japanischer Entwicklungsagentur und der deutschen KfW Entwicklungsbank. (wst)