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Kernel 3.18-rc1: Linux steigert Netzwerk-Sendeleistung

Der nächste Linux-Kernel kann Netzwerkpakete schneller verschicken als bisher. Ferner soll nach vielen Jahren der Entwicklung vielleicht eine Dateisystem-Funktion einziehen, die Live-Medien vieler Linux-Distributionen benötigen.

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Linux 3.18 soll beim Senden von Daten über Ethernet-Verbindungen eine Geschwindigkeit erreichen können, die nahe am theoretischen Maximum der jeweiligen Hardware liegt. Das ist einer Reihe eher kleinerer Änderungen zu verdanken, die den Overhead beim Versenden von Netzwerkpaketen reduzieren, wenn sehr viele Daten versendet werden. Das gelingt aber nur mit einigen Netzwerktreibern, denn die mussten angepasst werden, um die effizienteren Sende-Mechanismen zu unterstützen.

Der Radeon-Treiber des Kernels bietet nun Schnittstellen, durch die AMDs Mesa-Video-Treiber den Video-Beschleuniger UVD nutzen können, den einige ältere Radeon-GPUs enthalten; darunter die Grafikkerne RV6xx, RS[78]80 und RV7[79]0, die unter den Radeon-HD-Modellbezeichnungen 2400 bis 4290 vermarktet wurden. Ferner beherrscht der Radeon-Treiber nun auch die User Pointer, mit denen Grafiktreiber seit Linux 3.16 den Overhead reduzieren können, wenn der Grafikkern auf Speicherbereiche von Userspace-Prozessen zugreifen muss.

Das CIFS-Dateisystem wird Microsofts Datei-, Druck- und Server-Protokoll SMB3 besser unterstützten. Das Crypto-Subsystem kann mit mehreren Puffern arbeiten, was die Performance beim Ver- und Entschlüsseln mit Kernel-Treibern verbessert. Der Xen-Code des Kernels wird pvSCSI unterstützen, mit dem sich SCSI-Geräte an Xen-Gäste überstellen lassen. Ferner sind einige Patches eingezogen, durch die sich kleinere Kernel-Images kompilieren lassen.

Diese und andere Änderungen von Linux 3.18 sind jetzt absehbar, weil Linus Torvalds die erste Vorabversion dieser Kernel-Version veröffentlicht hat. Damit hat er wie gewohnt das Merge Window beendet, in dem er alle größeren Neuerungen aufnimmt, bevor die meist sechs oder sieben Wochen lange Stabilisierungsphase beginnt.

Das Merge Window endete zwei Wochen nach der Freigabe von Linux 3.17, obwohl Torvalds bei der noch angekündigt hatte, die Hauptentwicklungsphase solle diesmal drei statt zwei Wochen dauern. Möglicherweise macht er daher noch Ausnahmen und nimmt in der nächsten Woche noch die ein oder andere größere Änderung auf. Eine hat er sogar noch auf der Agenda, denn Torvalds möchte gerne das OverlayFS integrieren, das verschiedene Dateisysteme übereinander legt und zu einem verbindet. Diese Funktion nutzen beispielsweise Live-Linuxe, um den Inhalt einer schreibgeschützten DVD mit dem Inhalt eines beschreibbaren USB-Sticks zu einem einzelnen Dateisystem zu verbinden, bei dem alle auf den Verbund geschriebenen Daten auf dem USB-Stick landen.

Ansätze, das auf Dateisystem-Ebene im Kernel zu realisieren, werden seit vielen Jahren entwickelt; aufgrund verschiedener Probleme hat es bislang aber keiner von ihnen in den offiziellen Linux-Kernel geschafft. Das ist auch Torvalds ein Dorn im Auge, wie er vorige Woche auf der LinuxCon Europe im Gespräch mit heise open andeutete; dabei gab er preis, den Verwalter der Basis-Infrastruktur für Dateisysteme gedrängt zu haben, den kürzlich eingereichten OverlayFS-Code endlich durchzusehen und zur Aufnahme einzusenden, wenn sich keine größeren Probleme fänden. (thl)