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µ-Kernel Fiasco 1.1 läuft schneller

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Die Betriebssystemgruppe der TU Dresden hat eine neue, stabile Version ihres Mikrokerns Fiasco freigegeben. Die Version 1.1 unterstützt nun den GNU-C-Compiler (gcc) bis zur Version 3.3. Außerdem hat das Entwicklerteam Systemaufrufe beschleunigt und etliche Fehler beseitigt. Eine vollständige Liste sämtlicher Neuerungen für die unterstützten Plattformen findet sich im Changelog.

Fiasco implementiert als Mikrokern der zweiten Generation die L4-Schnittstelle des im Juni 2001 verstorbenen Prof. Dr. Jochen Liedtke, Chef der Systemarchitekturgruppe an der Uni Karlsruhe. L4-gestützte Mikrokerne stehen in dem Ruf, erheblich schneller als solche der ersten Generation (etwa das im längsten Softwareprojekt aller Zeiten entstehende GNU Mach) zur Sache zu gehen. L4-Kerne stellen, wie andere Mikrokerne auch, nur drei grundlegende Mechanismen (Adressräume, Threads und IPC) bereit, die nach Angaben der Entwickler aus Schutzgründen nicht auf Nutzerebene implementierbar sind. Darin liegt aber auch deren Krux, schließlich sind sie keine vollständigen Betriebssysteme und bringen daher weder Dateisystem oder Netzanbindung noch Entwicklungswerkzeuge von Haus aus mit. Eine Verbreitung im großen Stil war ihnen aus diesem Grund bislang versagt.

Fiasco wurde in C++ programmiert und läuft derzeit auf der Intel-x86-Plattform und auf SA1110-CPUs der britischen Chipschmiede ARM. Außerdem haben sich die Dresdner einer Portierung von Linux auf ihren Mikrokern angenommen. (ola)