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Kernel-Log: ACPI-DSDT-Patch flog aus dem Kernel, Fortschritte bei offenen Grafiktreibern

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Vergangene Nacht veröffentlichte Linus Torvalds mit Linux 2.6.25-rc6 die sechste Vorabversion von 2.6.25 und äußerte sich dabei wie so oft nicht dazu, wann er die nächste mit größeren Änderungen ausgestattete Kernel-Version freigeben will. Zwei weitere Vorabversionen und somit zirka zwei Wochen Entwicklungszeit scheinen allerdings derzeit mehr als wahrscheinlich, da die Liste der seit Version 2.6.24 eingeschleppten Probleme noch recht lang ist.

Abgesehen von Fehlerkorrekturen fanden in den vergangenen Tagen keine größeren Neuerungen den Weg in den zu 2.6.25 führenden Entwicklerzweig. Allerdings flog die zu Anfang des aktuellen Entwicklungszyklus aufgenommene Erweiterung wieder heraus, mit der der Kernel eine korrigierte ACPI-DSDT-Tabelle aus der Initial-Ramdisk verwendet. Den Patch hatte ein langjähriger Kernel-Entwickler gleich bei der Aufnahme deutlich kritisiert; nach Ende der darauffolgenden Diskussion änderte sich aber erst einmal nichts, und es wurde ruhig um den Patch. Nun haute Torvalds beim Entfernen in dieselbe Kerbe und schreibt, der Code sei schlicht nicht ausgereift und würde "hässliche Dinge" machen ("[...]the code simply isn't ready. It did ugly things to the init sequence to populate the rootfs image early, but that just ended up showing other problems with the whole approach.").

Ein wenig verwunderlich erscheint das schon, integrierten doch Mandriva, (Open)Suse, Ubuntu und manch andere Distributoren diesen oder einen eng verwandten Patch bereits seit vielen Jahren in ihre Kernel. Das war nötig, da sich der Verwalter des Linux-ACPI-Codes in den vergangenen Jahren mehrfach deutlich gegen die Aufnahme des Patches in den offiziellen Kernel ausgesprochen hatte. Das Einbinden einer modifizierten DSDT sei nichts für Endanwender; Distributionen, die den Patch integriert ausliefern, begingen einen Fehler; Entwickler könnten die modifizierten Tabellen direkt in den Kernel kompilieren. Diesen Standpunkt scheint der Linux-ACPI-Verwalter jedoch mittlerweile aufgegeben zu haben, da der Patch jetzt über ihn den Weg in den Kernel fand.

Torvalds lässt offen, ob eine verbesserte Version in zukünftige Kernel-Versionen wieder einzieht. Unabhängig von den jetzt kritisierten technischen Problemen dürfte es aber wohl weiter umstritten bleiben, ob das Nachladen einer modifizierten DSDT (Differentiated System Description Table) mit einem normalen Kernel sinnvoll ist oder nicht. Denn im dümmsten Fall kann ein Fehler in einer vom Anwender korrigierten DSDT Schäden an der Hardware nach sich ziehen. Bei einigen Notebooks lassen sich IRQ-Routing und Stromsparmechanismen unter Linux allerdings nur mit korrigierten Tabellen zur Funktion überreden. Das ist bei modernen Notebooks allerdings seltener geworden. Dafür dürfte zum Teil der verbesserte ACPI-Interpreter von Linux verantwortlich sein, der mit vielen Fehlern oder Ungenauigkeiten in der DSDT heute deutlich besser umzugehen weiß als vor Jahren.

Bei einigen der freien Grafikkartentreibern gibt es unterdessen verschiedene Fortschritte zu vermelden. Die Radeon-HD-Entwickler etwa integrierten zahlreiche Verbesserungen in den Entwicklerzweig des Treibers; dazu zählt auch die erstmalige Unterstützung für die Radeon-HD-Modelle 3400 und 3600 im Radeonhd-Treiber. Alex Deucher, der bei AMD beschäftigte Entwickler des ebenfalls für neuere AMD/ATI-Grafikchips geeigneten Treiberpakets ati, erklärte kürzlich in seinem Blog die vor Kurzem in das Treiberpaket integrierte Unterstützung von Textured Video. AMD hat derweil die Register-Beschreibung für die R3xx-GPUs veröffentlicht.

Und auch die Entwickler des offenen Nvidia-Treibers Nouveau sind fleißig und verbessern die Treiber im Entwicklerzweig um Unterstützung für einige der neusten Grafikchips von Nvidia. Kurz zuvor hatte es auch vom Nv-Treiber eine neue Version gegeben, die die Zusammenarbeit mit neuen Chips und Grafikkarten verbessert; der Nv-Treiber unterstützt allerdings nur Basis-Funktionen der Nvidia-Grafikchips, während sich die Nouveau-Entwickler einen Treiber mit 3D- und Multimonitor-Unterstützung zum Ziel gesetzt haben.

Kernel-Log-Staccato:

  • Die kürzlich veröffentlichte Version 5.38 der Smartmontools bringt zahlreiche Verbesserungen der Festplatten-Software.
  • Dass selbst kleine Änderungen am Kernel eine Performance-Einbuße von 30 Prozent in bestimmten Benchmark-Szenarien nach sich ziehen können, zeigt die Beschreibung eines vor Kurzem in den Entwicklerzweig integrierten Patches.
  • Wie die Freigabemail zu Linux 2.6.25-rc6 zeigt, müssen sich auch Linux-Größen wie Torvalds ab und an mit Banalitäten wie Datenfehler durch Stromausfälle herumschlagen.

Weitere Hintergründe und Informationen rund um Entwicklungen im Linux-Kernel und dessen Umfeld finden sich auch in den vorangegangen Ausgaben des Kernel-Logs auf heise open:

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