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Kernel-Log: Neue Grafiktreiber und Linux-Versionen; Dom0-Patches für 2.6.29?

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AMD hat die Version 8.11 der als fglrx oder Catalyst bekannten proprietären Grafiktreiber für x86-32- und x86-64-Linux veröffentlicht. Die Release-Notes listen als Neuerungen Unterstützung für Red Hat Enterprise Linux (RHEL) 4.7, verbesserte Diagnose-Möglichkeiten für die CrossFireX-Betrieb sowie Optimierungen zur Bildskalierung und -anpassung für die (HD)TV-Formate 480i/p, 720p, 1080i und 1080p. Die wohl wichtigste Neuerung hebt AMD allerdings nicht sonderlich hervor: die Unterstützung für X.org 7.4 beziehungsweise die ABI des zugehörigen X-Servers der 1.5er-Serie. Ein halbes Jahr, nachdem die ersten Distributionen Vorabversionen des X-Servers 1.5 ausgeliefert haben, lassen sich damit nun endlich auch AMDs proprietäre Grafiktreiber einsetzen.

Nvidia hatte die Kompatibilität zum 1.5er-ABI bei der Hauptserie der Linux-Grafikkartentreiber deutlich schneller implementiert. Linux-Anwender mit älteren, nur durch Nvidias Legacy-Treiber 71xx und 96xx unterstützter Grafikhardware müssen aber vorerst weiter bei Distributionen mit älteren X-Servern bleiben, wenn sie auf Features der Nvidia-Treiber angewiesen sind, die die Open-Source-Treiber nicht bieten. Ein kürzlich veröffentlichter Beta-Treiber lässt allerdings hoffen, das Nvidia zumindest noch einen zum X-Server 1.5-kompatiblen 96xx-Treiber plant. Zusammen mit der auf heise online bereits separat gemeldeten API zur Nutzung der HD-Video-Fähigkeiten von GeForce-GPU unter Unix-artigen Systemen wie Linux hat Nvidia auch Linux-Beta-Treiber für die aktuellen Grafikkarten veröffentlicht; diese tragen die Versionsnummer 180.06, sind für x86-32- und x86-64-Linux erhältlich und bringen Unterstützung für CUDA 2.1. Und auch die stabilen Treiber hat Nvidia erneuert – aktuell ist jetzt die Version 177.82 für x86-32- und x86-64-Systeme, die unter anderem ein Problem mit Firefox beseitigen und die Unterstützung für einige Quadro-Karten mitbringt.

Intel-Entwickler haben derweil die Versionen 2.4.3 und 2.5.1 des X.org-Grafikkartentreiber xf86-video-intel veröffentlicht. Beide bringen einige Korrekturen für die jeweiligen Vorgänger des kurz meist als "intel" genannten Open-Source-Treibers; die Version 2.4.3 soll nach derzeitigem Plan die letzte Variante der 2.4-Serie sein.

Neue Kernel-Versionen

Die Kernel-Hacker haben in den vergangenen Tagen wieder eine Fülle neuer Kernel-Versionen veröffentlicht. Linux 2.6.25.20 und 2.6.26.8 etwa bringen kleinere Korrekturen für die 25er- und 26er-Serien. Vermutlich sind dies die letzten Versionen dieser Kernel-Serien, denn laut Ankündigung will das Stable-Kernel-Team ihre Verwaltung nun einstellen; in der Freigabe-Mail empfehlen die Kernel-Entwickler daher Anwendern selbstkompilierter, nicht von Distributor unterstützter Kernel den Umstieg auf die neuste Version der 2.6.27-Reihe.

Das ist derzeit die Version 2.6.27.6, die eine Korrektur für die als CVE-2008-5025 geführt Sicherheitslücke im HFS-Dateisystem-Code mitbringt. Das Stable-Team arbeitet aber bereits an Linux 2.6.27.7 – eigentlich hätte der Kernel schon heute erscheinen sollen, aufgrund kleinerer Probleme erfolgt jetzt aber ein zweiter Anlauf mit einem geplanten Erscheinungstermin am Mittwoch.

Linus Torvalds hat derweil die fünfte Vorabversion von Linux 2.6.28 veröffentlicht, die unter anderem einige kleinere Umstrukturierungen und Aufräumarbeiten an der Dokumentation mitbringt. Einen Überblick über bekannte Probleme im Hauptentwicklungszweig bietet die kürzlich aktualisierte Liste der seit 2.6.27 eingeschleppten Fehler.

Kernel-Log-Staccato

  • Jeremy Fitzhardinge hat auf der LKML eine Patch-Serie zur Begutachtung veröffentlicht, die den Linux-Kernel um Unterstützung zum Betrieb als federführende Xen-Domäne (Dom0) erweitern; Fitzhardinge brachte an anderer Stelle seine Hoffnung zum Ausdruck, eine weiterentwickelte Version des Codes vielleicht schon bei Linux 2.6.29 integrierten zu können.
  • Der sich insbesondere mit ACPI und Stromspartechniken beschäftigende Kernel-Hacker Matthew Garrett verrät in seinem Blog wieder einmal interessante Hintergrunddetails zu Linux. In Adventures in PCI hotplug etwa beschäftigt er sich mit den PCIe-Hotplug-Techniken in den Netbooks von Acer und Asus; bei Hybrid Suspend hingegen erläutert er einige Beschränkungen von Software-Suspend (Hibernate/Ruhezustand) unter Linux und erklärt, warum Linux auf absehbare Zeit keinen hybriden Suspendmodus bieten wird, wie Microsoft ihn mit Windows Vista eingeführt hat. Zudem hat sich Garrett näher mit dem Kernel von Android beschäftigt und spart dabei nicht mit Kritik in Richtung Google.
  • Peter Hutterer hat die Version 1.0-rc1 des Touchpad-Treibers Synaptics veröffentlicht; Philip Langdale gab zwei neue Versionen (1, 2) des Maus-Treibers für unter VMWare laufende Linux-Gäste frei.
  • Die X-Entwickler diskutieren derzeit die Zeitplanung für die Fertigstellung des X-Servers 1.6. Nach derzeitigem Vorschlag des bei Intel beschäftigten Release-Managers Keith Packard soll die nächste X-Server-Generation bereits Anfang Januar fertig sein und unter anderem DRI2, RandR 1.3, Input Device Properties und Pointer Acceleration bieten – X Input 2 und Multi Pointer X (MPX) werden aber wohl nicht rechtzeitig fertig.
  • Stephen Rothwell hat die Regeln und Prozeduren rund um linux-next in einer Mail an die Kernel-Hacker zusammengefasst.

Weitere Hintergründe und Informationen rund um Entwicklungen im Linux-Kernel und dessen Umfeld finden sich auch in den vorangegangen Ausgaben des Kernel-Logs auf heise open:

Ältere Kernel-Logs finden sich über das Archiv oder die Suchfunktion von heise open. (thl)