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Kernel-Log: Neue Stable-Kernel und Nvidia-Treiber, 2.6.27 wird lange gepflegt

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Quasi parallel zur Veröffentlichung von Linux 2.6.27 zum Ende der vergangenen Woche haben auch die Verwalter der Linux-Stable-Series mit 2.6.25.18 und 2.6.26.6 zwei neue Kernel veröffentlicht. Beide bringen jeweils eine Reihe kleinerer Korrekturen und Verbesserungen für die zwei vorangegangenen Kernel-Versionen der 2.6.x-Serie. Wie neuerdings bei der Stable-Serie üblich, ist nicht offensichtlich, ob die beiden Kernel auch Korrekturen für Sicherheitslücken mitbringen.

Adrian Bunk hat derweil angekündigt, sich um die langfristige Wartung des Kernel 2.6.27 zu kümmern und ihn so zu einem "longtime supported kernel" zu machen. Dazu will er die Pflege für die Kernel-Serie 2.6.27 übernehmen, sobald die Verwalter der Linux-Stable-Series die Wartung einstellen – nach den üblichen Pflege-Strategie dürfte das ungefähr kurz vor oder nach der Veröffentlichung der Linux-Version 2.6.29 der Fall sein, die in zirka fünf bis sechs Monaten erscheinen dürfte.

Bunk will Anwendern damit eine Alternative zu den Kerneln der Distributionen bieten, die ihre Kernel teilweise über lange Zeiträume pflegen; er gesteht aber ein, dass die daran interessierte Nutzergruppe vermutlich eher klein ist (It might be a small part of the userbase ...). In der Ankündigung muss der Kernel-Hacker aber auch zugeben, dass er mit der Pflege der ebenfalls von ihm gewarteten Linux-Kernel-Serie 2.6.16.x in letzter Zeit nicht recht nachgekommen ist. Er plant, hier in Kürze wieder alles in Ordnung zu bringen und 2.6.16.x bis mindestens Mitte 2009 zu betreuten.

Damit dürfte 2.6.16 dann mindesten dreieindrittel Jahre gewartet werden – normalerweise kümmern sich die Kernel-Entwickler nur um die beiden neusten 2.6.x-Kernel, sodass jede Version ungefähr fünf bis sechs Monate gepflegt wird. Die Enterprise-Distributionen von Red Hat und Novell pflegen ihre Kernel teilweise sieben Jahre lang; über kostenlose Nachbauten wie CentOS bekommt man auch als nicht-zahlender Anwender in den Genuss solcher Unterstützung.

Nach der Freigabe von Linux 2.6.27 hat Linus Torvalds in seinem neuen Blog einige Gedanken zur Freigabe der neuen Kernel-Version dargelegt; James Morris hat derweil in einem Blog-Eintrag nochmal detailliert die Neuerungen von SELinux bei Linux 2.6.27 zusammengefasst.

Torvalds hat in den letzten Tagen bereits 3.000 Commits im Hauptentwicklungszweig von Linux aufgenommen, aus dem in zirka drei Monaten die Linux-Version 2.6.28 hervorgehen wird. Das Kernel-Log wird nach einer Sichtung der Patches in den nächsten Tagen näher über die Änderungen in den unterschiedlichen Bereichen des Kernels berichten.


Nach zahlreichen Beta-Versionen in den vergangenen Wochen und Monaten hat Nvidia die neue Version 177.80 der proprietären Grafiktreiber für x86-32- und x86-64-Systeme veröffentlicht. Sie sollen einige der massiven Performance-Probleme beheben, die vorangegangener Treiberversionen in Kombinationen mit neueren Grafikkarten insbesondere bei KDE 4 oder Firefox zeigten.

Zudem erweiterte Nvidia die Treiber um Unterstützung für einige neue Grafikkarten und Chipsätze – darunter die GeForce-Modelle der GTX-Reihe sowie verschiedene der 9er-Serie. Worauf Nvidia bei der Veröffentlichung nicht so deutlich hinweist: Der neue Treiber unterstützt die Grafikarten der GeForce-5-Serie nicht mehr. Diese Modelle will das Unternehmen in Zukunft über die Treiberserie 173.14.xx pflegen – die mittlerweile dritte "Legacy"-Treiberserie von Nvidia. Wie viel oder wenig Mühe sich das Unternehmen dabei gibt, zeigt sich beim X-Server 1.5 von X.org X.org 7.4, denn diesen unterstützen auch die neusten Legacy-Treiber der Serien 71.86.xx und 96.43.xx nicht. Das bekamen seit Mai schon die Benutzer von Fedora 9 zu spüren, das eine Vorabversion dieses X-Servers mitbringt. Mittlerweile liefern aber auch andere Distributionen den neuen X-Server mit; zu dieser Gruppe wird in Kürze mit der Version 8.10 auch Ubuntu stoßen.


Kernel-Log-Staccato

  • Takashi Iwai hat auf der Alsa-Mailingliste einen erste Version des noch des sehr experimentellen und unausgereiften Treibers sbxfi vorgestellt, der einige Soundkarten aus Creatives X-Fi-Serie anspricht.
  • Für allerlei aufsehen in den Medien sorgt seit Kurzem ein (vermeintlich) neuer und in teilen proprietärer Linux-Treiber für WLAN-Hardware von Broadcom – tatsächlich hat Broadcom diesen allerdings bereits Anfang Juni still und heimlich veröffentlicht. Einige Distributionen liefern ihn bereits seit einigen Monaten mit aus.
  • In dem bei ACM kostenlos zum Download verfügbaren Artikel Powering down beschäftigt sich Kernel-Entwickler Matthew Garrett mit einigen allgemeinen und linux-spezifischen Aspekten rund um Powermanagement.

Weitere Hintergründe und Informationen rund um Entwicklungen im Linux-Kernel und dessen Umfeld finden sich auch in den vorangegangen Ausgaben des Kernel-Logs auf heise open:

Ältere Kernel-Logs finden sich über das Archiv oder die Suchfunktion von heise open.