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Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X" soll noch 2015 erstes Plasma erzeugen

Noch in diesem Jahr will das Max-Planck-Institut in Greifswald in der Kernfusionsanlage "Wendelstein 7-X" erstes Plasma erzeugen. Die Magnetspulen, lange Problemkind der Anlage, haben die Funktionstests gemeistert.

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Wendelstein 7-X

"Wendelstein 7-X" während des Zusammenbaus

(Bild: Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, Tino Schulz; CC BY-SA 3.0 )

Die Erzeugung des ersten Fusionsplasmas im Greifswalder Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X" rückt näher. Die Tests der 70 Magnete, einer Schlüsselkomponente in der Fusionsanlage, seien erfolgreich abgeschlossen, teilte das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik am Dienstag in Greifswald mit. Noch in diesem Jahr soll in der Anlage, deren Inbetriebnahme sich immer wieder verzögert hatte, das erste Plasma erzeugt werden.

"Wendelstein 7-X" – demnach die bald weltweit größte Fusionsanlage vom Typ Stellarator – soll noch keine Energie erzeugen, aber die Kraftwerkseignung untersuchen. "Die Anlage soll die wesentliche Eigenschaft dieses Fusionstyps zum Dauerbetrieb demonstrieren", sagte Sprecherin Isabella Milch. Im französischen Cadarache entsteht mit ITER die erste Demonstrationsanlage vom Typ Tokamak, der nur "gepulst" betrieben werden kann – das heißt, er muss zwischenzeitlich immer wieder neu gestartet werden.

Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X" (10 Bilder)

Ein Blick ins Innere des Wendelstein 7-X aus dem Jahr 2011. Von Innen nach außen zu sehen: Plasmagefäß, eine der verwundenen Stellaratorspulen, eine ebene Spule, Stützstruktur und Außengefäß. (Bild: IPP, Wolfgang Filser )

In Kernfusionskraftwerken soll später analog zu den Prozessen auf der Sonne durch die Verschmelzung von Atomkernen Energie klima- und umweltfreundlich erzeugt werden. Wann die Technologie tatsächlich kraftwerksreif sein wird, ist bislang offen.

Vor einem Jahr hatten die Forscher mit der Betriebsvorbereitung für "Wendelstein 7-X" begonnen und die Komponenten der rund 725 Tonnen schweren Maschine geprüft. Mehrere Tests wie auch die Betriebsgenehmigung stünden nun noch aus. Zum einen muss ein "Ultrahoch-Vakuum" im Magnetkäfig erzeugt werden, wie die Sprecherin erklärte. Die Techniker hatten anfangs mehrere kleinere Lecks entdeckt, die nun geschlossen und geprüft werden. Zudem müsse nach dem erfolgreichen Test der supraleitenden Magnetspulen das magnetische Feld ausgemessen werden, in dem später das bis zu 100 Millionen Grad heiße Plasma berührungsfrei schweben soll.

Komplex geformte Spulen bauen den magnetischen Käfig für das Plasma auf.

(Bild: IPP)

Vor allem Probleme beim Bau der kompliziert gewundenen, je 3,50 Meter hohen Magnetspulen hatten das Projekt um Jahre zurückgeworfen. Die Gesamtkosten für das Greifswalder Fusionsexperiment, das aus dem Euroatom-Programm der EU, vom Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert wird, hatten sich wegen der längeren Bauzeit von rund 500 Millionen auf über eine Milliarde Euro mehr als verdoppelt. Kritik an der Fusionsforschung kommt vor allem von den Grünen und Umweltverbänden. Sie sehen in ihr ein Hemmnis der Energiewende. Zudem hatten sie Zweifel an der Sicherheit der Anlage, die durch ein von der Genehmigungsbehörde beauftragtes TÜV-Gutachten ausgeräumt wurden.

Bei den ersten Plasmatests in Greifswald soll – vollkommen radioaktivitätsfrei – zunächst mit normalem Wasserstoff gearbeitet werden. Frühestens ab 2017 soll älteren Angaben zufolge Deuterium (schwerer Wasserstoff) eingesetzt werden. Bei diesen Tests, bei denen ein kleiner Teil der Kerne verschmilzt, werden dann geringe Mengen Radioaktivität frei. Anders als bei der Kernspaltung in Atomkraftwerken ist bei der Fusion jedoch keine verheerende Kettenreaktion möglich.

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales als zuständiger Genehmigungsbehörde wird eine Betriebsgenehmigung erteilt, wenn die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen nachgewiesen ist. Nach derzeitigem Stand sei dies bis Ende 2015 zu erwarten, sagte eine Sprecherin des Landesamtes. (Martina Rathke, dpa) / (mho)

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