Kernfusionsprojekt soll 2015 in den Forschungsbetrieb gehen

Nach Zweifeln von Umweltverbänden, Grünen und Linken an der Sicherheit des Kernfusionsexperimentes "Wendelstein 7-X" herrscht jetzt Klarheit. Der TÜV sieht keine Strahlungsgefahren. Noch steht die Genehmigung für den Forschungsbetrieb aus.

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  • Martina Rathke, dpa

Das Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X" soll nach den Planungen des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Greifswald möglichst im Frühjahr 2015 seinen Betrieb aufnehmen. Wie Institutschef Thomas Klinger der dpa sagte, will das Institut dann mit dem ersten Plasmabetrieb in der Forschungsanlage beginnen. Der Betrieb der Anlage muss aber noch vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) genehmigt werden. "Wir sind gut im Lot", zeigte sich Klinger optimistisch. Derzeit werde die Endfassung eines Sicherheitsberichtes für das LAGuS erstellt. Er sei zuversichtlich, dass die Genehmigung rechtzeitig erteilt werden könne. "Den Takt gibt aber das LAGuS vor."

Kernfusionsprojekt Wendelstein X-7 (7 Bilder)

Auf dem Maschinenfundament entsteht aus fünf Modulen der Wendelstein 7-X. (Bild: IPP)

Mit "Wendelstein 7-X" soll erforscht werden, inwieweit die Energieerzeugung durch Verschmelzung von Atomkernen ähnlich den Vorgängen auf der Sonne auch in Kraftwerken möglich ist. Bis in den Herbst 2013 hinein musste das Institut um den Weiterbetrieb bangen. Umweltverbände, Linke und Grüne hatten im vorigen Jahr erhebliche Sicherheitsbedenken und Zweifel an der radioaktiven Abschirmleistung des Hallenbetons geäußert und einen Stopp der Fusionsforschung gefordert. Das Landesamt als Genehmigungsbehörde hatte daraufhin ein TÜV-Gutachten beauftragt. Das Gutachten kam im Oktober nach der Auswertung von Probebohrkernen zu dem Schluss, dass die Anlage alle Anforderungen an den Strahlenschutz erfüllt. Die Expertise sollte an diesem Mittwochabend nochmals in Greifswald vorgestellt werden.

Zum Zeitverzug ist es nach Angaben des Greifswalder Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik durch die Erstellung des Gutachtens nicht gekommen. Es habe dazu geführt, dass die Diskussion stark versachlicht worden sei, sagte Klinger. "Wir haben jetzt eine sehr transparente Sachlage." Die Kosten in Höhe von 100.000 Euro muss das Institut übernehmen. Das Geld müsse jetzt an anderen Stellen eingespart werden.

Teilabschnitt des Außengefäßes

(Bild: IPP)

Die Inbetriebnahme der kreisförmigen, rund 370 Millionen Euro teuren Forschungsanlage hat sich wegen verschiedener Probleme mit den supraleitenden Magnetspulen und an der mechanischen Struktur um mehrere Jahre verzögert. Seit fünf Jahren liegt das Projekt nach Angaben Klingers aber im Zeitplan. Das Max-Planck-Institut beschäftigt rund 500 Mitarbeiter. Derzeit werden die letzten großen Arbeitsschritte vor Inbetriebnahme angegangen.

Im Frühjahr 2014 soll die Außenhülle der Anlage geschlossen werden, um dann mit dem Evakuieren, dem Abpumpen der Luft aus der Anlage, zu beginnen. Parallel dazu werden die wissenschaftlichen Messinstrumente angeschlossen. Im Forschungsbetrieb soll dann ein verdünntes Gas schrittweise auf mehrere zehn Millionen Grad erhitzt werden, bis es in den Plasmazustand überführt ist. Das Plasma ist Voraussetzung, damit Atomkerne fusionieren und Energie freisetzen können. (anw)