KfW: Corona-Krise wird Digitalisierung im Mittelstand beschleunigen

Die Förderbank KfW sieht in der Krise eine Chance. Allerdings deuten Daten darauf hin, dass kleinere Unternehmen abgehängt werden könnten.

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(Bild: asharkyu/Shutterstock.com)

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Die Corona-Krise wird nach Einschätzung der Förderbank KfW einen Digitalisierungsschub in mittelständischen Firmen auslösen. "Viele Unternehmen sind plötzlich zur Digitalisierung gezwungen: Sie probieren Homeoffice und virtuelle Zusammenarbeit aus, etablieren in Zeiten geschlossener Läden und Gaststätten einen digitalen Vertrieb oder ersetzen papierbehaftete Arbeitsprozesse durch digitale", erläuterte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW-Bankengruppe am Donnerstag. "Vieles davon wird nach der Krise bleiben – und sich verstärken."

Die insgesamt 3,8 Millionen kleineren und mittleren Unternehmen in Deutschland gingen laut dem "Digitalisierungsbericht Mittelstand 2019" der KfW das Thema zuletzt zwar verstärkt an. So stieg die Zahl der Mittelständler mit abgeschlossenen Digitalisierungsvorhaben von 2016 bis 2018 im Vergleich zur Vorperiode (2015-2017) um 380.000 auf gut 1,5 Millionen. Die durchschnittlichen Ausgaben für entsprechende Projekte stagnierten jedoch bei 17.000 Euro pro Firma.

(Bild: KfW)

Insgesamt gaben die Mittelständler den Angaben zufolge 2018 gut 19 Milliarden Euro für Digitalisierungsprojekte aus. Das war deutlich weniger als für traditionelle Innovationen (34 Milliarden) oder Investitionen zum Beispiel in Gebäude und Maschinen (220 Milliarden). Die Masse der mittelständischen Unternehmen vollziehe die Digitalisierung bisher in kleinen Schritten, resümierte Köhler-Geib.

Zudem zeige sich, dass größere Mittelständler im Durchschnitt häufiger und mehr in die Digitalisierung ihrer Betriebe investieren, als kleinere. Die KfW befürchtet deshalb, dass eine Spaltung drohe. Kleinere Unternehmen könnten bei der Digitalisierung abgehängt werden. Für die Finanzierung werden außerdem hauptsächlich interne Mittel benutzt. Die Gründe hierfür seien die besonderen Projektmerkmale von Digitalisierungsvorhaben, die einer Kreditfinanzierung entgegenstünden.

(Bild: KfW)

Bei der Befragung stellte sich überdies heraus, dass Firmen mit eigener Forschung und Entwicklung wesentlich offener für Digitalisierungsmaßnahmen sind. Sie führen mehr als doppelt so häufig Digitalisierungsvorhaben durch als Unternehmen ohne Forschung und Entwicklung.

Als besonderes Hemmnis bei der Digitalisierung wird die Umsetzung von Datenschutzvorgaben gesehen oder es mangelt schlicht an entsprechenden IT-Kenntnissen und Fachkräften in den Unternehmen. Werde investiert, digitalisieren Firmen besonders häufig den Kontakt zu Kunden und Zulieferern oder die IT-Strukturen werden erneuert.

Die aktuelle Umfrage basiert auf einer Sonderbefragung im Rahmen des KfW-Mittelstandspanels. Das Mittelstandspanel wird seit 2003 als Wiederholungsbefragung bei kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland mit einem Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro im Jahr durchgeführt. An der Erhebung für das Mittelstandspanel 2019 beteiligten sich 10.222 Unternehmen. Die Hauptbefragung fand im
Zeitraum vom 11.02.2019 bis zum 21.06.2019 statt.

(kbe)