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Kfz-Abgastests: EU-Kommission will Spritverbrauch auf der Straße messen

Autohersteller sollen künftig Fahrzeuge mit einem Gerät ausstatten, um den Treibstoff- oder Stromverbrauch während des Betriebs ermitteln zu können.

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Kfz-Abgastests: EU-Kommission will Spritverbrauch auf der Straße messen

(Bild: pixabay.com)

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Seit September 2017 gelten in der EU strengere Vorgaben für Tests von Kraftfahrzeugemissionen. Bevor neue Fahrzeugtypen regulär auf die Straße dürfen, müssen sie nun genauere Abgasmessungen unter realen Fahrbedingungen durchlaufen. Wie diese "Real Driving Emissions" (RDE) ermittelt werden, ist der EU-Kommission aber noch zu ungenau. Sie will daher Autofabrikanten verpflichten, Fahrzeuge künftig mit einem standardisierten Messgerät auszurüsten, um den Treibstoff- oder Stromverbrauch während des Betriebs auf der Straße ermitteln zu können.

Das Vorhaben ist Teil eines Verordnungsentwurfs, den die Kommission voriges Jahr ausgearbeitet und nun in einer öffentlichen Konsultation zur Debatte gestellt hat. Die bereits ebenfalls verbesserten Laboruntersuchungen nach dem weltweit harmonisierten Prüfverfahren für Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge gemäß der "World Harmonised Light Vehicle Test Procedure" (WLTP) sollen demnach künftig mit Informationen über den durchschnittlichen Verbrauch "im echten Leben" unter normalen Bedingungen angereichert werden.

Die Messwerte sollen aus einzelnen Autos gesammelt, zusammengefasst und anonymisiert werden. Ob damit verhindert werden kann, dass Forscher Rückschlüsse auf das individuelle Fahrverhalten ziehen könnten, ist aber fraglich. Laut EU-Kommission sind die Zusatzdaten unerlässlich, damit die Testverfahren adäquat die durchschnittlichen tatsächlichen Treibhausgasemissionen reflektieren können. Die Verfügbarkeit von Informationen über den Spritverbrauch quasi in Echtzeit könne auch die Tests auf der Straße erleichtern.

Die Messpflicht soll zunächst auf Fahrzeuge mit konventionellen Verbrennungsmotoren sowie Hybrid-Antrieb beschränkt werden, da es nur für diese Sorten bereits technische Standards gebe. Der Benzin-, Diesel- oder Stromverbrauch werde bereits an Bord der meisten neuen Autos ermittelt und gespeichert, schreibt die Kommission. Für die eingesetzten Geräte gebe es aber noch keine hinreichenden Spezifikationsanforderungen. Um sicherzustellen, dass die gelieferten Messwerte zugänglich sind und als harmonisierte Basis für Vergleichstests zwischen verschiedenen Fahrzeugkategorien dienen können, müssten daher grundlegende Zugangsbedingungen festgelegt werden.

Auch Tests mit portablen Messgeräten durch die Zulassungsbehörden will die Kommission anerkennen. Sie sichert ferner zu, eine elektronische Plattform aufzubauen, um den Austausch über die ermittelten Daten zu gewährleisten und die Kfz-Ämter in ihrem Entscheidungsprozess zu unterstützen. Auch müssten neue Testverfahren in den WLTP-Prozess integriert werden, die die United Nations Economic Commission for Europe (UN/ECE) entwickelt habe.

Laut der Umweltorganisation ICCT verbrauchen Neuwagen durchschnittlich fast die Hälfte mehr Treibstoff als vom Hersteller angegeben. Dieser Diskrepanz will die Kommission weiter den Kampf ansagen. Ohne die Daten von der Straße bestehe die Gefahr, dass Hersteller auch bei Tests auf Basis von RDE und WLTP Toleranzmargen unterschiedlich ausnutzten und so der Wettbewerb verzerrt werde. Teuer seien die erweiterten Messungen nicht. Die Rede ist von Preisen von rund einem Euro pro Fahrzeug. Dies könne Studien aus Kalifornien und den Niederlanden entnommen werden.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat sich die Kommission bei ihrer Initiative von einem Vorschlag aus Frankreich inspirieren lassen, der von den Niederlanden, Dänemark, Belgien, Schweden, Slowenien und Irland unterstützt werde. Die Bundesregierung habe sich noch nicht positioniert, Italien und Rumänien Bedenken geäußert. Ein offizieller Entwurf der Kommission könnte schon Anfang April folgen, der dann noch das EU-Parlament und den Ministerrat passieren müsste. Generell scheint das Vorhaben schon weit gediehen zu sein: So steht derzeit auch bereits ein umfangreicher Anhang mit technischen Detailbestimmungen zur Diskussion, der über 400 Seiten umfasst. (Stefan Krempl) / (anw)

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