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Kfz-Gewerbe hält Diesel-Nachrüstungen für schnell umsetzbar

Insbesondere für die neueren Euro-5-Diesel seien Diesel-Nachrüstungen sinnvoll, heißt es vom Kfz-Zentralverband. Doch viele Fragen sind noch nicht geklärt.

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Kfz-Gewerbe hält Diesel-Nachrüstungen für schnell umsetzbar

(Bild: David Holt, CC BY 2.0 )

Mögliche Nachrüstungen für ältere Dieselfahrzeuge wären in den Werkstätten nach Einschätzung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) schnell umsetzbar. "Ich halte das für lösbar", sagte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn der Deutschen Presse-Agentur. Die Werkstätten seien darauf eingerichtet. Das hätten frühere Umrüstaktionen wie etwa die Rußpartikelfilter bei Dieselfahrzeugen oder die Nachrüstkatalysatoren bei Benzinern in den 1980-er Jahren gezeigt. Der ZDK fordert seit langem, sich auf Hardware-Nachrüstungen für ältere Diesel einzulassen.

Die große Koalition hatte sich am Dienstag auf ein Konzept geeinigt, wonach Besitzer älterer Diesel in Regionen mit besonders schmutziger Luft Umtauschprämien sowie Hardware-Nachrüstungen angeboten bekommen sollen. Auf diese Weise sollen Fahrverbote vermieden werden. Wenn Fahrer von Euro-5-Dieseln eine Nachrüstung wollen, erwartet der Bund demnach "vom jeweiligen Automobilhersteller, dass er die Kosten hierfür einschließlich des Einbaus übernimmt". Die Haftung sollen die Nachrüstfirmen übernehmen.

Hier herrscht allerdings noch Uneinigkeit. Denn einige Autohersteller wie BMW oder Opel lehnen Nachrüstungen ab. Volkswagen und Daimler hingegen wollen sich an Nachrüstungen beteiligen, sofern zertifizierte und zugelassene Systeme existieren. Volkswagen machte noch zur Bedingung, "dass die Bundesregierung sicherstellt, dass sich alle Hersteller an den entsprechenden Maßnahmen beteiligen". Auch bei den ausländischen Herstellern sieht man die Nachrüstungen kritisch. Der Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) sieht Haftungsfragen in rechtlicher Hinsicht nach wie vor ungeklärt.

Auch beim ADAC sieht man die Nachrüstungen nicht leicht umsetzbar. Es brauche noch Freigaben für die sogenannten SCR-Katalysatoren. Diese müssten serienreif und im Dauerbetrieb erprobt sein. Es liege nun an der Politik, die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, so eine Sprecherin. Der ADAC testet bereits Diesel-Nachrüstungen – allerdings sind das Protypen, die nur auf Basis einer Ausnahmegenehmigung eines Regierungspräsidiums im Einsatz sind.

Neben den Nachrüstungen soll es neue Kaufanreize für Besitzer von Autos der Abgasnormen Euro 4 und Euro 5 geben. Hier hingegen herrscht nach Einschätzung von Peckruhn ebenfalls noch große Unsicherheit. "Das kann man erst bewerten, wenn die genauen Rahmenbedingungen feststehen." Die Prämien sollen sowohl für Gebrauchte als auch für Neuwagen eingesetzt werden können. Allerdings seien wegen der Umstellung auf neue Abgas-Prüfstandards derzeit überhaupt nicht genug Neuwagen am Markt, so Peckruhn.

Chronologie des Abgas-Skandals (59 Bilder)

Mitte September 2015:  Die US-Umweltschutzbehörde EPA beschuldigt den Volkswagen-Konzern, Diesel-PKWs der Baujahre 2009 bis 2015 mit einer Software ausgestattet zu haben, die die Prüfungen auf US-amerikanische Umweltbestimmungen austrickst. Zu ähnlichen Untersuchungsergebnissen ist auch das California Air Resources Board (CARB) gekommen. Beide Behörden schicken Beschwerden an VW. (Im Bild: Zentrale der EPA in Washington D.C.)
(Bild: EPA
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[Update 03.10.2018 – 12:10 Uhr] Die Kaufanreize sollen für Besitzer von Autos älterer Abgasnormen gelten. Die falsche Formulierung wurde korrigiert. (thk)