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Kieler Landtag will keine neuen gesetzlichen Regelungen gegen "Killerspiele"

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Schleswig-Holsteins Landtagsparteien wollen die Jugendgewalt differenziert bekämpfen und setzen dabei nicht vordergründig auf ein mögliches Verbot Gewalt verherrlichender Computerspiele. Dies machten Sprecher aller Fraktionen am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde zu Auswirkungen so genannter "Killerspiele" auf die Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen deutlich. Deren Medienkompetenz müsse angesichts der Spielangebote auf Computern und Handys gestärkt werden, hieß es übereinstimmend. Außerdem sollte die Jugendsozialarbeit in den verschiedensten Bereichen ausgebaut werden.

Auslöser für die von Kieler Gymnasiasten beobachtete Debatte war der Amoklauf eines 18-Jährigen an seiner ehemaligen Schule in Emsdetten in Westfalen. Seitdem wird bundesweit kontrovers über ein Verbot von "Killerspielen" diskutiert, die auch der 18-Jährige gespielt hatte. Einseitige Forderungen nach einem Verbot der "Killerspiele" gab es in der differenzierten Debatte im Kieler Landtag nicht.

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) meinte: "Der Jugendschutz in Deutschland ist so umfassend wie in keinem anderen europäischen Land." Dennoch müsse nach Emsdetten gefragt werden, ob die gesetzlichen Bestimmungen ausreichen oder ausreichend angewendet werden. Experten diskutieren sehr kontrovers darüber, inwieweit die umstrittenen Spiele Gewaltbereitschaft erhöhen. Jugendministerin Gitta Trauernicht (SPD) forderte die zuständigen Behörden auf, gesetzliche Verbote auch durchzusetzen und nicht Zugelassenes zu beschlagnahmen. Hier gebe es Handlungsbedarf.

Erdsiek-Rave betonte: "Die Verantwortung tragen ganz zentral die Eltern." Daran sollten sie auch bei ihren Weihnachtsgeschenken denken. "Killerspiele gehören nicht in die Hand kleiner Kinder", bekräftigte Monika Heinold von den Grünen. Die Jugend sei heute möglicherweise nicht gewalttätiger als früher; es gebe nur andere Mittel und Wege, Gewalt darzustellen und zu verbreiten, sagte der CDU-Abgeordnete Niclas Herbst. Er forderte, in der Debatte über Jugendgewalt vor allem auch die Jugendlichen selbst "mitzunehmen". Wolfgang Baasch von der SPD verlangte einen konsequenten Kinder- und Jugendschutz in den Medien. Es müsse aber auch über die Waffen diskutiert werden, die man sich über das Internet besorgen könne. "Was wissen die Innenminister über den Waffenhandel und die Rolle des Internet?", sagte Angelika Birk von den Grünen. CDU-Fraktionschef Johann Wadephul warnte davor, die Lage zu dramatisieren. Er verwies darauf, dass Gewalt auch in den Spielen früherer Generationen eine Rolle gespielt habe.

Nach Ansicht des FDP-Abgeordneten Ekkehard Klug war der sofortige Ruf von Politikern nach Verboten von "Killerspielen" und anderen Beschränkungen auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit. Im sozialen Umfeld müssten Warnsignale besser wahrgenommen werden, wenn jemand ein Amokläufer zu werden drohe. Anke Spoorendonk vom SSW meinte, es gehe nicht nur um die Erziehung von Kindern und Jugendlichen, sondern auch um die fragwürdige Akzeptanz von Gewalt in den Medien.

Siehe zu dem Thema auch:

dpa