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Killer-Roboter: Wettrüsten bei autonomen Waffensystemen "erfordert internationalen Ächtungsvertrag"

Noel Sharkey, Sprecher der Kampagne "Stop Killer Robots", mahnt zur Eile bei dem Bann autonomer Waffensysteme. Die Position Berlins sei nicht hilfreich.

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Killer-Roboter: Wettrüsten bei autonomen Waffensystemen "erfordert internationalen Ächtungsvertrag"

Drohne MQ-9 Reaper, bewaffnet mit lasergesteuerten Bomben und Hellfire-Raketen. Neue Generationen von Cruise MIssiles sollen stärker automatisiert werden.

(Bild: US Air Force)

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Schwer enttäuscht über die zögerliche Position der Bundesregierung in den Genfer Gesprächen über ein Verbot vollständig autonomer Waffensysteme hat sich der Sprecher der internationalen Kampagne "Stop Killer Robots", Noel Sharkey, gezeigt. "Wenn Deutschland führte, würden viele Staaten folgen", erklärte der emeritierte Professor für Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik an der Universität Sheffield bei einer Diskussionsrunde der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin. Aktuell spiele die Bundesregierung mit "rein symbolischen" Vorschlägen aber auf Zeit.

"Wir haben 28 Staaten an Bord", freute sich Sharkey über die Unterstützer der Initiative im Rahmen der Verhandlungen der Gruppe der Regierungsexperten der Genfer Waffenkonvention (CCW). Sogar China als "Supermacht" sei für ein Verbot des Einsatzes von Killer-Robotern, wenn auch nicht für einen Entwicklungsstopp. Österreich sei "führend". Deutschland gehöre aber leider nicht zu den Unterstützern.

Die Bundesregierung und Frankreich setzen in Genf auf eine "politische Erklärung" und einen späteren Verhaltenskodex, um das angelaufene Wettrüsten rund um autonome Waffen einzuschränken. Ein solcher Ansatz "habe keine juristischen Zähne" und sei im Unterschied zu einem bindenden völkerrechtlichen Vertrag nicht durchsetzbar, kritisierte Sharkey. Ein präventiver Bann sei "wirklich dringend", da verschiedene Akteure rund um die Uhr an Killer-Robotern arbeiteten.

Schon mit dem bestehenden internationalen Kriegs- und Völkerrecht seien die Systeme gar nicht in Einklang zu bringen, meint Noel Sharkey (ganz links). Die weiteren Teilnehmer an der Diskussion (v.l.n.r.): Agnieszka Brugger, Moderator Giorgio Franceschini, Rüdiger Bohn und Hans Uszkoreit.

(Bild: heise online / Stefan Krempl)

Die Grundlagen dafür sieht der Informatiker mit Systemen wie dem autonomen Militärfahrzeug Crusher der USA oder dem in den Startlöchern stehenden russischen "Superpanzer" Armata T-14 bereits gelegt. Letzterer könne zwar zunächst "nur" ferngesteuert werden, solle aber komplett autonom werden. Offiziell heiße es zwar in Moskau, dass man keine solchen Systeme entwickle. Der Militärausrüster Kalaschnikow kündige aber ständig eine selbstfeuernde, mit einem neuronalen Netzwerk aufwartende Schießanlage an. Im März solle die Waffe nun auf den Markt kommen.

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Auch Israel arbeite etwa mit dem "Radarkiller" Harpy an autonomen Systemen für kriegerische Auseinandersetzungen, berichtete Sharkey. Chinas Drohne "Unsichtbares Schwert" gehe ebenfalls in diese Richtung. Irreführend sei die Vorstellung von einem humanoiden Terminator. Es handle sich derzeit vor allem um "konventionelle Waffen", die mit KI gepaart würden. Das Pentagon setze so etwa auch auf autonome U-Boot-Jäger und wolle gängige Cruise Missiles mit dem weiter automatisierten Raketensystem X-47B austauschen. Deutschland selbst lasse sich etwa mit dem Flugabwehrwaffensystem Mantis bei der Bundeswehr Hintertüren für autonome Feuersalven offen.

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