Kim Dotcom droht Ende der Gastfreundschaft in Neuseeland

Neuseeland will den Internet-Unternehmer Kim Dotcom an die USA ausliefern. Dagegen wehrt er sich vor Gericht in seiner Wahlheimat. Viele dort wären den Deutschen lieber los.

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Kim Dotcom

(Bild: dpa, David Rowland.)

Von
  • Jürgen Diercks

Das Leben von Kim Dotcom lässt jeden Drehbuchschreiber einer Seifenoper vor Neid erblassen. Der umstrittene deutschstämmige Internet-Unternehmer hatte scheinbar alles erreicht: den rasanten Aufstieg zum Millionär, die Luxusvilla in seiner Wahlheimat Neuseeland, den Helikopter, die Partys. Doch dann kam der Absturz: Ein Polizeieinsatz im Morgengrauen, die Handschellen klickten. Die Ehefrau verschwand eines Nachts.

Dotcom stammt aus Kiel und wurde unter seinem ursprünglichen Namen Kim Schmitz in der deutschen Hackerszene bekannt, bevor er ihn offiziell ändern ließ. Seine Tauschplattform Megaupload wurde 2012 nach FBI-Ermittlungen abgeschaltet. Über das Portal wurden laut Vorwürfen der US-Ankläger massenhaft illegale Kopien von Filmen und Musik verbreitet. Dotcom hatte den Ermittlern zufolge 2010 ein Einkommen von 48 Millionen Dollar.

Ein neuseeländisches Gericht stimmte der Auslieferung in die USA zu, dort droht ihm eine langjährige Haftstrafe. In einer Anhörung am 29. August will Dotcom dagegen angehen. Er weist die Vorwürfe zurück. Er habe nur eine Plattform betrieben und keine Kontrolle darüber gehabt, was Nutzer speicherten. Zudem kündigte er einen Neustart von Megaupload für 2017 an.

Ein Mann mit schillernder Vita: Kim Dotcom will nicht in die USA, "das Land der korrupten Politiker und manipulierten Gerichte" ausgeliefert werden.

(Bild: dpa)

Die Neuseeländer seien indes der Dotcom-Show überdrüssig, sagt der Journalist David Fisher, Autor des Buches "The Secret Life of Kim Dotcom". Anfangs hätten sie ihn noch für seinen Widerstand gegen "die da oben" bewundert, aber als der Deutsche 2014 versuchte, mit der von ihm gegründeten Internet-Partei groß in die Politik einzusteigen, sei es mit der Sympathie vorbei gewesen. "Plötzlich hatten wir da diese sehr bombastische Person, die noch nicht mal ein Staatsbürger war, die versucht, sich in die Wahlkabinen der Menschen zu drängeln." Die Partei errang keinen einzigen Parlamentssitz. Seitdem mehren sich die Stimmen, dass Neuseeland ohne Dotcom besser dran wäre.

Die Regierung würde Dotcom gern loswerden. Nach den Wahlen 2014 sagte der sichtlich erleichterte Regierungschef John Key, die Wähler hatten sich gegen Ausländer ausgesprochen, die den Urnengang beeinflussen wollten. Es sei Zeit, dass der Fall Dotcom die Gerichtsinstanzen durchschreite. Doch der Fall schlug hohe Wellen: Nach Enthüllungen, Dotcom sei Ziel illegaler Überwachung gewesen, kommen nun Gesetze, die die Arbeit der Geheimdienste transparenter machen sollen, erklärt der Sicherheitsexperte Rhys Ball.

Dotcom selbst rechnet damit, dass es noch Jahre dauern könnte, bis die Gerichte über seine Auslieferung entscheiden: "Ich werde niemals an das Land der korrupten Politiker und manipulierten Gerichte ausgeliefert werden", twitterte er. (Mit Material von dpa) / (jd)