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Kinos: Digitalisierung schreitet voran, 3D bleibt auf der Strecke

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Anlässlich der am heutigen Sonntag zu Ende gehenden Berlinale haben verschiedenen deutsche und europäische Institutionen eine Bilanz des Kinojahres 2012 vorgelegt. Danach schreitet trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten in einigen Ländern die Digitalisierung der Kinos insgesamt zügig voran. Laut Angaben von Media Salles gab es am 1. Januar dieses Jahres weltweit 90.142 Säle, die mit DLP-Cinema- oder SXRD-Technik ausgestattet waren. Somit sind 75 Prozent aller Kinosäle auf digitalen Betrieb umgestellt. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um satte 43 Prozent. In Europa lag die Steigerungsrate bei 38 Prozent, 70 Prozent aller Kinosäle sind bereits umgestellt. Folglich nahm im zweiten Halbjahr die Umstellungsrate um 4 Prozent ab (von 19,6 auf 15,5 Prozent).

Spitzenreiter der Umstellung in Europa sind Norwegen und Luxemburg mit teilweise schon seit Jahren rein digital arbeitenden Kinos. Dicht gefolgt werden sie von Belgien und den Niederlanden, deren Digitalisierungsrate gleichauf bei 93 Prozent liegt. Deutschland liegt mit einer Rate von 65 Prozent unter dem Durchschnitt. Unter den größeren Kinoländern ist es nur noch in Rußland (63 Prozent), Italien (57 Prozent) und Spanien (46 Prozent) schlechter um die Digitalisierung bestellt.

Allerdings muss man bei dieser Betrachtung berücksichtigen, dass sich die deutschen Verleiher erst seit dem vergangenen Jahr auf breiter Basis an einem Modell des Kostenausgleichs zwischen Verleiher und Kinos beteiligen. In Großbritannien beispielsweise haben die Filmverleiher hingegen sehr frühzeitig Unterstützungen wie das VPF-Modell (virtual print fee) bereitgehalten. Dass die französischen Kinos bei der Digitalisierung so gut dastehen, haben sie wiederum zu einem großen Teil einer staatlichen Förderung von 125 Millionen Euro zu verdanken. In Deutschland bewegt sich diese auf niedrigerem Niveau: In der vergangenen Woche gab die Filmförderungsanstalt (FFA) bekannt, dass sie aktuell 1093 Anträge auf Digitalisierungsförderung in einem Gesamtvolumen von 10,2 Millionen Euro bewilligt hat – zu dem Betrag muss man aber noch eine einstellige Millionensumme an Förderungen durch die Bundesländer und Medienstiftungen hinzurechnen.

Zu den kommenden 3D-Produktionen gehört "Die Schlümpfe 2".

(Bild: Sony Pictures)

Je weiter die Digitalisierung voranschreitet, desto geringer wird interessanterweise der Anteil der digitalen Säle, die auch gleichzeitig mit 3D-Projektionstechnik ausgestattet sind. So fiel diese Rate in Frankreich von Juni 2011 bis Juni 2012 von 70 auf 59, in Großbritannien von 66 auf 50 und in Schweden von 87 auf 59 Prozent. Langfristig rechnet Media Salles noch mit einem 3D-Anteil zwischen 50 und 60 Prozent.

Dass die Zeit von 3D als große Triebfeder vorbei ist, macht auch die FFA-Statistik für 2012 deutlich. Zwar löste immer noch mindestens jeder fünfte Kinogänger in Deutschland ein 3D-Ticket, der Anteil der 3D-Besucher nahm aber um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr ab und beträgt nur noch 21,8 Prozent. Dies lag einerseits daran, dass im letzten Jahr nur 40 3D-Filme in die deutschen Kinos kamen und damit sechs weniger als in 2011. Andererseits sind mit „Ziemlich beste Freunde“ (8,9 Mio. Besucher) und dem Bond-Film „Skyfall“ (7,5 Mio.) zwei reine 2D-Produktionen die Spitzenreiter des Kinojahres. Erst auf dem dritten Platz folgte mit „Ice Age 4“ (6,7 Mio.) eine 3D-Produktion. Obwohl die 3D-Aufschläge nicht viel zum Preisanstieg beitragen konnten, erhöhte sich der durchschnittliche Eintrittspreis um 26 Cent oder 3,5 Prozent auf 7,65 Euro.

Während in Deutschland die Besucherzahlen um 4,2 Prozent zunahmen und die deutsche Kinobranche erstmals beim Kartenumsatz die Milliarden-Euro-Grenze überschritt, gingen die Besucherzahlen in Gesamteuropa inklusive Russland und Türkei um 2 Prozent zurück. Besuchten in diesem Gebiet in 2011 noch 1,214 Milliarden Menschen ein Filmtheater, so waren es laut Media Salles im vergangenen Jahr nur noch 1,190 Milliarden. Andere Kinoregionen der Welt konnten sich hingegen verbessern: In den wirtschaftlich schwächelnden USA stieg der Umsatz immerhin um 5,9 Prozent, in Japan legten die Einspielergebnisse um 7,7 Prozent zu und in China gar um 33 Prozent.

Einen regelrechten Boom erlebten die Kinos in den skandinavischen Länder. So gingen in Dänemark 14,2 Prozent mehr Besucher in die heimischen Kinos, in Schweden waren es 11,8 Prozent mehr und in Finnland sogar 19. Spiegelbildlich stellen sich die Verhältnisse in den wirtschaftlich angeschlagenen Südländern der EU dar. Hier waren die Besucherrückgänge teilweise zweistellig (Italien -10,2 Prozent, Portugal -12,3 Prozent). Etwas glimpflicher gestaltete sich der Rückgang in Spanien (-7 Prozent) und Griechenland (-6,7 Prozent).

Trotz dieses Anstiegs mussten 127 Kinos an ungünstigen Standorten dicht machen. So gab es in Deutschland Ende letzten Jahres nur noch 909 Städte und Gemeinden mit mindestens einem Kino, 92 weniger als noch vor fünf Jahren. (nij)

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