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IFA

Kleine Fische, große Tablet-Pläne

Das Interpad konkurriert in Ausstattung und Preis mit Toshibas Folio 100.

e-noa aus Köln gehört mit einem halben Dutzend fest angestellter Mitarbeiter zu den kleinsten Firmen auf der IFA, auch der Stand ist winzig (Halle 13, 109). Doch das macht nichts, der Andrang ist groß und stetig, und Geschäftsführer Yilmaz Kilic hat Termine im Halbstundentakt. Er zeigt einen flüssig laufenden Prototypen seines Interpad. Das Tablet mit Android 2.2 bietet laut Datenblatt dem Folio 100 von Toshiba Paroli: Beide sollen rund 400 Euro kosten, spielen HD-Inhalte ab und werden über einen 10 Zoll großen Multitouch-Screen bedient.

Doch Toshiba als einer der weltweit größten Technikkonzerne mit seinem riesigen Portfolio – von Prozessoren bis zu Atomkraftwerken – hat natürlich Vorteile: Die Japaner können die Software im Alleingang anpassen und haben erprobte Support- und Vertriebspartner. Solche Beziehungen muss e-noa erst mühsam aufbauen. Und natürlich wurde die Hardware nicht in Köln entwickelt, sondern im chinesischen Xiamen beim Hersteller Malata. "Wir sind der Goldfisch im Haifischbecken", sagt e-noa-Chef Kilic.

Neben e-noa schwimmen noch viele andere kleine Fische im Becken, nicht nur Giganten wie Toshiba, Samsung und Apple. Sie heißen zum Beispiel Hannspree, Archos, ViewSonic oder Pocketbook, und sie wollen ihre Produkte schneller oder zumindest günstiger liefern als die Großen.

Hannspree (Halle 7.2, Stand 101) will eine fast baugleiche Version des Malata-Tablets nach Deutschland bringen, ebenfalls im November, ebenfalls für 400 Euro. Äußerlich erkennt man nur bei den Android-Tasten einen Unterschied: Das Interpad hat Knöpfe, das Hannspree-Gerät Sensorfelder.

ViewSonic zeigt einen 10-Zöller, auf dem das veraltete Android 1.6 sowie Windows 7 installiert sind (Dual Boot). Und ein 7-Zoll-Tablet, das wie Samsungs Galaxy Tab gleichzeitig ein Riesen-Handy ist und unter Android 2.2 läuft, aber nur 400 Euro kosten soll. "Wir müssen uns vor Samsung nicht verstecken", sagt Marketingmann James Coulson selbstbewusst.

Allerdings reagierte einer der Prototypen am Stand (Halle 14.1, Stand 107) nur sporadisch auf Eingaben, die Software muss offenbar noch verbessert werden. Datenblätter verteilte ViewSonic weder für den Sieben- noch den Zehn-Zöller – obwohl sie bereits im Oktober ausgeliefert werden sollen.

Archos zeigt Android-2.2-Tablets in Größen von 3 bis 10 Zoll. Die Preise sind eine Kampfansage an die Konkurrenz.

Archos brachte schon vor dem iPad-Start sein erstes Android-Tablet heraus und versucht nun, mit fünf aufpolierten und 100 bis 350 Euro günstigen Modellen Schritt zu halten (Halle 15.1, Stand 113). Die Varianten mit 4- und 7-Zoll-Display ließen sich bei unserem Besuch am Donnerstag flüssig bedienen, der 10-Zöller war noch nicht einsatzbereit. Die kleineren Modelle sollen schon in den nächsten Wochen ausgeliefert werden.

Telefunken zeigt in Halle 8.2 den Prototypen eines Tablets mit 3D-Display; bei Pocketbook in Halle 14.1 gibt es die Attrappe eines Modells, das mit E-Reader-Fähigkeiten punkten soll.

Doch die kleinen Player dürften es schwer haben, ihre Produkte bei großen Providern und Handelsketten zu platzieren. Samsung, Toshiba und Co. haben also einen gewaltigen Startvorteil. Andererseits haben auch die WeTab-Macher mit Media Markt schon einen wichtigen Vertriebspartner gewonnen.

Vor einer Herausforderung stehen alle, egal ob groß oder klein: Die versprochenen Starttermine sollten eingehalten werden. Die nächste Welle zeichnet sich bereits ab: Einige Hersteller, die jetzt noch keine Prototypen zeigen, verweisen auf Android 3.0, das noch 2010 erscheinen soll und vermutlich besser auf Tablets zugeschnitten sein wird als die aktuelle Version 2.2. (cwo)

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